19.2.12

Kill facebook!?

Ein leuchtendes Beispiel für Medienkompetenz und -erziehung bietet dieser US-Papa, der sich darüber erbost, daß seine 15jährige Tochter Familieninterna auf Facebook öffentlich breittritt ... ... und der dann als Revanche auf Youtube dasselbe macht und anschließend Töchterchens Laptop »erschießt«, die Knarre in der rechten Hand, die Ziggi in der linken, ein leuchtendes Beispiel für den Kampf um die Freiheit. Andererseits ruiniert er ein teures Notebook; er hätte das Ding ja auch verkaufen können, mitsamt allen Daten von Töchterchen darauf - dann sieht sie mal, wie das ist, wenn Intimes an Fremde weitergetratscht wird.
Eigentlich braucht man es noch nicht mal an Fremde weiterzutratschen - der vermeintlich intime Freundeskreis reicht schon. Gott sieht alles, heißt es. Heute ist FB wie Gott - das mußten Frauen einsehen, die auf FB die frohe Botschaft kundgetan hatten, daß sie schwanger sind - nur ihrem engsten Freundeskreis natürlich. Aber natürlich sah FB ihnen über die Schulter und verwertete die Daten, und kurz darauf erhielten die verdutzten Frauen Werbung für Umstandskleidung.
So sehr einem die globale Datenschleuder und Tratsch-und-Klatschmaschine Facebook zuwider sein mag, man kann nicht daran vorübergehen, daß Millionen Menschen dort registriert sind - und heißt es nicht immer, man müsse die Menschen/Kunden dort abholen, wo sie stehen?
So ist natürlich eine Facebook-Präsenz für einen Verlag wie meinen durchaus ein Thema, auch wenn mir FB suspekt ist. Ich fürchte allerdings, FB ist für Unternehmen nur dann nützlich, wenn der Unternehmer ein richtiger »Facebook-Junkie« geworden ist, der dort vor immer neuen pausenlosen Aktivitäten wuselt.
Das ist natürlich nicht Sinn der Sache. Sinn der Sache ist, mit möglichst wenig Arbeit möglichst viel neuen Umsatz zu schaffen. FB soll möglichst wenig Zeit stehlen und möglichst viel Geld bringen.
Ich sah mir gestern die Facebook-Auftritte diverser Kleinverlage an. Da stand dann am Rand, daß diese Seite ein paar Dutzend oder bestenfalls ein paar hundert Leuten gefalle. Zu 90 Prozent dürften das Leute sein, die schon die Website des Verlags kennen oder vorher schon dort gekauft haben. Ansonsten sieht man dasselbe, was man auch auf der Verlags-Website sieht: Buchcover, Klappentexte, Aktuelles - angereichert durch ein paar schulterklopfende oder bescheuerte, in jedem Fall aber überflüssige Kommentare. (Wir haben ja zu viel Geschwätz in der Welt, nicht zu wenig - so weit meine Gegenposition zu Mark Zuckerberg.)
Mit anderen Worten: Doppelte Arbeit, aber keineswegs doppelter Gewinn. Alles doppelt einstellen, aber keineswegs doppelt so viel verdienen.
Wenn der Marterpfahl Verlag je bei FB präsent sein wird, dann nur mit einem Minimaleintrag - Verweis auf Verlags-Website und -Blog - und das war's. Mal überlegen.
Das Internet gilt als etwas, das niemals vergißt. Seltsam eigentlich. Mir kam es früher - so vor 10 Jahren - als etwas vor, das andauernd vergißt. Da verschwanden geliebte Websites, und wenn man die Inhalte nicht vorher gesichert hatte, dann war alles im Eimer. Vermutlich ist es so wie im realen Leben: Das, was man gerne in Vergessenheit geraten ließe, das hält sich hartnäckig, während das Geliebte verschwindet.
Leser dieses Blogs werden sich erinnern, daß die Google-Gesichtserkennung für mich vor Monaten der Anlaß war, mein »Paßbild« aus dem Netz zu entfernen und durch den guten alten Bogey zu ersetzen - und als ich jetzt meinen Namen in die Google-Bildersuche eingab, fanden sich zwar alle möglichen Bilder von meinen Buchcovern und aus diesem Blog, aber fast kein Bild mehr, das mein Gesicht zeigt - und mein »Paßbild« aus meinem früheren Profil gar nicht mehr.
Vielleicht ist das Netz ja doch vergeßlicher, als man meint :-)
Der Chef und sein Mädchen für alles, die treue alte Ruth ... ... wünschen unseren Lesern viel Spaß beim Verkleiden und beim Fasching! :-)

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