29.10.16

55 Jahre Papstgaststätte, 28 Jahre Stammtisch Unser Huhn (S. U. H.) - Gedenkbriefmarke

So leuchtete sie einst:







... die Papstgaststätte


1959 wurde der heutige Busbahnhof und Europaplatz eingerichtet. Im Oktober 1961 fand die Neugestaltung ihren krönenden Abschluß in der Eröffnung der Parkgaststätte, einer »piekfeinen Angelegenheit«, wie das TAGBLATT begeistert berichtete, siehe hier.



1968 wurde die Parkgaststätte dem Theologie-Prof Ratzinger, dem späteren Wir-sind-Papst Benedikt XVI., zum Refugium vor dem wilden, rebellischen 68er-Zeitgeist. Auch spätere Besucher können bestätigen: Die nunmehrige Papstgaststätte wirkte wie aus der Zeit gefallen. Es gelang allerdings nie, sie unter den päpstlichen Schutz der Exterritorialität zu stellen und somit von der Drohung mit der Abrißbirne zu befreien.



»Goldene Zeiten« heißt sie jetzt, und als echter »Golden Ager« feiert sie in diesen Tagen ihren 55. Geburtstag – wer weiß, wie viele noch folgen werden –, und der halb so alte, in ihren Mauern Zuflucht gefunden habende Stammtisch Unser Huhn würdigt das denkwürdige Ereignis durch eine 70-Cent-Gedenkbriefmarke, die in Zehnerblöcken zum Selbstkostenpreis beim Marterpfahl Verlag Rüdiger Happ erhältlich ist. Im Laufe des Novembers wird sie erscheinen, mit einem weißen Rahmen um das im Anhang gezeigte Motiv.



Als nächstes Projekt des S. U. H. ist ein grundlegend neugestalteter Kneipenführer angedacht, der vielleicht passend zur Fastenzeit 2017 erscheinen könnte …



Oder vielleicht auch erst zur Fastenzeit 2018? Wird der S. U. H. dann wie einst die Klimbim-Familie bis zuletzt den Abrißbaggern getrotzt haben und sich dann, da sehr wirtschaftsfreundlich, durch alle Kneipen Tübingens getrunken haben?

Unsere Gebete haben offenbar schon gewirkt - wegen fehlender Planungskapazitäten wird der Umbau des Europaplatzes von 2017 auf 2019 verschoben!! :-) (Nachtrag 11.11.)


Nachtrag 20.11.): Seit einigen Tagen ist die Huhn-Briefmarke jetzt lieferbar! 7 Stück für 10 Euro, das liegt noch unter dem Selbstkostenpreis.)

Die Zukunft wird es an den Tag bringen.



S. U. H. forever! :-)

27.10.16

Frankfurter Buchmesse 2016: Außer Spesen ist nicht allzuviel gewesen

»Nach Olympia wollt ihr? Ja, reichen euch denn die anderen Mühsale des Lebens noch nicht?« soll der Philosoph Diogenes Männer gefragt haben, die als Zuschauer zu den Olympischen Spielen reisen wollten. Der nichtgriechische Rest der Welt brauchte wie immer ein wenig länger, um zu begreifen. Doch mittlerweile stimmen immer mehr Menschen, etwa vor Monaten die Hamburger, gegen Olympische Spiele in ihrer Stadt, froh darüber, daß der »olympische Wanderheuschreckenzirkus des Thomas Bach«, wie neulich jemand (und hier ein anderer) sehr treffend schrieb, ihre Stadt und ihr Land verschont.

»Zur Frankfurter Buchmesse wollt ihr?« könnte man analog fragen. Ja, wollte ich - nach fünf Jahren Pause. Auch wenn's nur eine Neuerscheinung gab - belgisches Bier würde aus Frankfurt eine nette große Party machen ...

Montag, 17.10.2016

Ob ich das noch mal schaffe, wirklich morgens loszufahren statt erst Stunden später? Diesmal wieder einmal nicht ... Start (nach Gang zur Post und viel Gekrame) um zwei, Tanken und Mittagessen in Tübingen, und erst gegen fünf näherte ich mich nach den üblichen Staus dem Frankfurter Kreuz.

1956 wurde es gebaut, das erste Autobahnkreuz Deutschlands, und zunächst knallte es dort häufig. Viele Autofahrer wollten einfach nicht einsehen, daß sie einen Rechtsbogen fahren sollten, wo sie doch eigentlich nach links wollten ...

Inzwischen ist alles noch viel komplizierter geworden durch den Frankfurter Großflughafen und seine vielen Zufahrten, in denen sich selbst Ortskundige immer wieder verfranzen. Einfacher wär's für mich, eine Ausfahrt später abzufahren, Ausfahrt 21 statt 22 ...

Egal jetzt. Ich nahm Nr. 22, die südlichere. Durch ein Gewirr von Fahrbahnen kam ich auf die B 43, bog rechts ab, vorbei an dem riesigen, kühl-grünlich schimmernden Steigenberger Flughafenhotel - und fand mich auf einem Holpersträßchen wieder, das durch den Frankfurter Stadtwald einige Kilometer weit direkt nach Schwanheim führte, einen dörflichen Frankfurter Stadtteil ganz im Südwesten. Ein großer Gratisparkplatz dort, wo Wald und Dorf aneinanderstießen - ich war am Ziel. Zwar durfte man hier nur 24 Stunden parken, aber das merkte ich erst, als ich nach einer Woche wieder wegfuhr - ohne »Knöllchen« gottlob ...

Gegenüber die Endstation der Straßenbahn und wenige Schritte weiter der Beginn von »Alt-Schwanheim«, einer Art »Freßgaß« im Kleinen mit rund einem halben Dutzend Lokalen und zwei, drei Hotels, darunter auch meinem, das mit 40 Euro pro Nacht und Nase das billigste war.

Wahrscheinlich auch deshalb, weil sie den Portier einsparen, dachte ich sauer, als ich an der verschlossenen Tür nur einen Zettel mit Telefonnummern vorfand, bei denen sich niemand meldete. Hätten nicht ein paar Herumstehende mit osteuropäischem Akzent mir gesagt, daß die Rezeption 50 Meter weiter um die Ecke war, ich wäre ratlos geblieben.

Frühstück ging nun doch extra, erfuhr ich dort (allerdings zu maßvollen 5,50 Euro), und statt einer Etagendusche gab's nur ein Etagenklo - und ansonsten eine Woche lang Katzenwäsche am Waschbecken im Zimmer.

Nach dem Einchecken wieder rein ins Auto und bei Ausfahrt 21 auf die Autobahn, rüber über den Main, mit Blick auf die in der Dunkelheit funkelnden Bürotürme im Osten, und zur Buchmesse. Nein, so ein Gedränge wie am Montagmittag vor der Buchmesse 2009 war diesmal auf dem Parkplatz vor Halle 3 nicht; friedlich wie eine Elefantenherde in der Nacht standen die Kleinbusse und Lkws beieinander, und es gab noch genug Platz für meinen Kombi, ohne irgendwem im Weg zu sein. Zwei Fuhren mit meinem Rollwägelchen waren nötig, um alles in meinen 4-m2-Ministand zu verfrachten, der ganz unten im Erdgeschoß war, in Halle 3.0, Stand B 23. Morgen würde ich alles einräumen, für heute war genug getan. Ich schlenderte zurück, vorbei an den musikbedudelten Monteuren, die in allen Gängen die Großstände aufbauten und dabei die Gänge oft so mit Material vollstellten, daß ich mein Ziel nur auf Umwegen erreichen konnte.

Rückfahrt nach Schwanheim - aber ach: Die Autobahnausfahrt 21 südwärts liegt woanders als die Auffahrt 21, und ich kurvte zwischen Bürovierteln, Sportanlagen und dem lauschigen Waldrand ziemlich lang umher, bis ich endlich wieder auf meinem Parkplatz war.

Minuten später erreichte ich den »Zehnthof«, ein Lokal in Alt-Schwanheim, das Schweinebraten mit Knödeln, Gulasch mit Spätzle und Rotkraut und ähnlich Leckeres für rund zehn Euro bot - mein »Stammlokal« für die Messetage war gefunden - was den einen oder anderen Abstecher in andere Lokale nicht ausschloß ...

Ziemlich früh, zwischen neun und zehn, ging ich zu Bett; selten wurde es an einem dieser Messetage später.

Dienstag, 18.10.2016

Nachts ging es mir so wie neuerdings öfter: Ich lag nach einer ersten Mütze voll Schlaf lange dösend oder schlaflos da, hörte das durch die dünnen Wände nur mäßig gedämpfte Schnarchen der Zimmernachbarn, und erst wenn gegen Morgen das Aufstehenmüssen näherrückte, wurde ich von bleierner Müdigkeit ergriffen, während etliche Zimmernachbarn gurgelnd und plätschernd und fernsehend sich auf die Frühschicht vorbereiteten; solche Billighotels sind immer auch ein Refugium für Arbeiter auf Montage, Leiharbeiter etc.

Vielleicht wäre die Jugendherberge doch vorzuziehen. Da wohnt man citynah für 20 statt 40 Euro, Frühstück inklusive, Duschen auch, und gegen Schnarcher gibt's ja Ohrenstöpsel. Andererseits habe ich für meinen Jugendherbergswerksmitgliedsausweis seit 1992 rund 1000 Euro gezahlt, genug für vier Wochen Mallorca-Urlaub, und in Anspruch genommen habe ich ihn seitdem allenfalls für 30 bis 40 Übernachtungen.

Um sieben saß ich beim Frühstück wie an den kommenden Tagen auch, legte mich aber noch mal aufs Ohr, bevor ich am späten Vormittag aufbrach. Schreck: Wo war mein Ausstellerausweis? Glück: Im Auto lag er zwischen den Sitzen, war mir aus der Tasche gerutscht.

Die Trambahn-Endstation war nur 200 Meter vom Hotel entfernt - aber die Trambahn würde noch zwei Wochen lang nicht verkehren - wegen Gleisbauarbeiten. Also rein in den »Schienenersatzverkehr«, in den Bus, der mich bis »Bürostadt Niederrad« brachte, ein Stadtviertel, das seinen Namen zu Recht trug, denn außer zehn- bis zwanziggeschossigen Büroklötzen, allenfalls mit ein paar Läden und Restaurants im Erdgeschoß, war da nichts, nichts als nachts gähnend leere, riesige Boxen für Tausende von Sesselfurzern. Auf einem der höchsten Kästen, direkt neben der »Schienenersatzverkehr«-Endstation, leuchtete eisblau der Schriftzug »Nestlé«. 

Rein in die Straßenbahn, denn ab hier verkehrte sie wieder. Nun hatte ich die Möglichkeit, mit zweimal Umsteigen per S-Bahn zum Messe-Eingang Torhaus oder mit einmal Umsteigen per U-Bahn zum Messe-Eingang Festhalle/Messeturm (City-Eingang) zu kommen. Ich entschied mich meist für Letzteres: Einfach sitzen bleiben, auch wenn's ein paar Minuten länger dauert.

In gemächlichem Tempo schob sich die Straßenbahn vorbei an zunehmend älteren Häusern, aus den 20er Jahren, aus der Kaiserzeit, an kleinen Bierkneipen, Läden, auch solchen wie dem »Kaftan Shop« für orientalische Kundschaft in der Stresemannallee. Wenn das der olle Stresemann in seinem Stresemann noch sehen könnte! Sogar einen Thron für eine Hochzeit kann frau sich dort aussuchen und ausleihen, siehe hier. Da kann sie sich dann wenigstens einmal im Leben als Herrscherin fühlen ...

Aussteigen am Hauptbahnhof, da, wo es »multikulti« und rotlichtig wird und wo man gut auf sein Portemonnaie aufpassen sollte. Rein in die U-Bahn und dort nur eine Station weit und von dort gleich unterirdisch in den Messeturm und weiter in die Halle 3.

Halle 3 hatte ich mir diesmal gewünscht, weil dort der Publikumsandrang größer ist als in Halle 4, besonders am Samstag und Sonntag. Halle 3.1. (mit den großen deutschen Publikumsverlagen) wäre mir zwar etwas lieber gewesen als die etwas kinderbuchlastige Halle 3.0, aber gut, auch in 3.0 gibt's einige Verlage für Erwachsene - meinen z. B. ... 

... aber auch »Merlin's Bookshop« gegenüber von mir, ein 8-m2-Stand. Erst als sich dessen Leiter am Mittwoch bei mir vorstellte, wurde mir klar: Das ist doch der, der mich neulich mal antelefoniert hatte! Frau Anne Rice alias Roquelaure hat nämlich (vielleicht braucht sie Geld) einen vierten Band zur bisherigen Dornröschen-Trilogie geschrieben, und dem Ober-Merlin hatte man die deutschen Übersetzungsrechte angeboten. Einen 500-Seiten-Wälzer übersetzen zu lassen ist aber teuer und lohnt sich nur, wenn mindestens rund 2000 Stück relativ teuer verkauft werden, für mindestens 20 Euro pro Stück oder so. Daher wird Merlin es wohl unterlassen, zumal ich meine Lizenz für die bisherigen drei Bände wohl auslaufen lassen werde. Eine Verlängerung würde über 4000 Euro kosten, und das bei Verkäufen von aktuell nur noch rund 150 Stück im Jahr - nein danke.

2010 war Last Gasp aus San Francisco unser Standnachbar in Halle 4.1, der »Kunsthalle«. (Die kamen aber auch kein zweites Mal.) In den ersten 40 Sekunden dieses Videos kann man einen gewissen Eindruck vom Standaufbau und der Messe gewinnen (neben der rechten Trennwand war der Marterpfahl verborgen ;-)), wobei so ein relativ spärlich ausgestatteter 8-m2-Stand noch ziemlich einfach zu bestücken ist; in einem 4-m2-Kabuff aber fragt man sich, was man zuerst auf den Gang stellen und was man in der drangvollen Enge zuerst erledigen soll, ohne daß anderes im Weg steht oder man selbst mit seinem Krimskrams anderen im Wege steht.

Nach dem Besuch alter Freunde in Halle 4.1. begab ich mich zu dem Elektriker dortselbst und bestellte und bezahlte (rund 100 Euro) zwei Strahler, die prompt geliefert wurden, dann hängte ich peu à peu die Wandschienen ein - aber was war das? Manche sind ja total verzogen! Doch gottlob war zehn Meter weiter der Stand der »Schutzgemeinschaft deutscher Wald«, der seine Wände nur mit Plakaten dekoriert hatte und seine hervorragenden Schienen gar nicht brauchte; auch war es dort noch so still und einsam wie meistens im deutschen Wald, so daß man sich ungestört ein paar Schienen holen konnte ...  

Immerhin war dank der Merlins (ausgestattet mit einem Kühlschränkchen, meins hatte ich aus Platzmangel daheim gelassen) heuer gesichert, daß nicht nur - wie einst bei Goliaths - ab 17 Uhr, sondern bereits ab 9 Uhr morgens der Sekt fließen würde und es auch für ein, zwei meiner Bierchen eine Unterstellmöglichkeit geben würde. Die restlichen der rund 34 belgisch-niederländischen Bierflaschen bunkerte ich hinter den leicht nach vorne gezogenen »Sitzschränken«. An die Wand nahe dem Gang klebte ich die vor kurzem erworbene Uhr mit dem Schriftzug »Kein Bier vor vier«, auf der alle Ziffern durch 4 ersetzt sind, auf die Sitzschränke kamen die paßgenauen roten Kissen von 2010, damals zur roten Wandbespannung angeschafft, an den Gang die Fußmatte mit dem verblaßten Schriftzug »Hinknien, anklopfen und um Audienz betteln«, daneben den weißen Polster-Klapphocker mit Stauraum, einige Wandzettel, wonach jeder ab 4 mit belgisch Bier (plus Buch) abgefüllt werden kann, der dies wünscht, und das alles zu reduzierten Preisen - fertig! Rund drei Stunden hatte ich gebraucht. (Natürlich hatte ich wie immer auch dies und das vergessen, heuer einige Buchtitel, Visitenkarten und den Fotoapparat, die analoge Praktica. Na, dann mußten halt Prospekte die Visitenkarten ersetzen; die signierten 30 Exemplare meiner Neuerscheinung »Hamburg ABANDON - der Folterkeller« von Ralph Kretschmann waren gerade noch rechtzeitig per Expreß in Nehren eingetroffen.)

Stark promotet wurde von und bei den Merlins die Hausautorin Lisa Skydla, die sich nach eigenem Bekunden über Facebook eine treue Fangemeinde geschaffen hatte und nicht schlecht von ihren Werken leben konnte, allerdings auch alles selber machte, den ganzen technischen Kram, in Ebook-Formate konvertieren, in Online-Shops einstellen etc. Sie empfahl mir (statt Winword) wärmstens das Programm »Papyrus Autor« mit etlichen schriftstellerrelevanten Sonderfunktionen zusätzlich zum normalen »Papyrus«, das auch schon ganz gut sein soll, wie man hört. »Papyrus« hatte auch einen Stand ganz in der Nähe ... 

Da ich allein war, hätte ich eigentlich auf meinem Stand brüten sollen wie eine Henne auf ihren Eiern; vor allem in den drei Fachbesuchertagen allerdings machte ich schon mal den einen oder anderen Ausflug woandershin, und dabei nutzte ich noch nicht mal das vorbereitete Schild »Bin gleich wieder da« ...

So, nun war alles bereit - nun konnte es losgehen ...

Mittwoch, 19.10.2016


Um ca. 7.40 Uhr losschieben, im Morgengrauen - denn seit der famosen Sommerzeitverlängerung bis Ende Oktober kann man sich an einem Herbstmorgen schon so düster fühlen wie sonst nur an einem tristen Wintermorgen. 

Im U-Bahnhof Messe sah ich keine der rund zwei Meter hohen und drei Meter breiten, unter Glas bildschirmartig leuchtenden Werbeplakattafeln, wo ich eine Reklame für meinen Stand hatte anbringen wollen. Vielleicht waren die ja an den »falschen«, d. h. von der Messe wegführenden Ausgängen. Dann wäre es eh Verschwendung gewesen, Geld dafür auszugeben. Richtung Messeturm waren nur kleinere beleuchtete Plakate zu sehen, und an denen hasteten die Messegänger eilig und achtlos vorbei. Wenn Plakatwerbung überhaupt einen Sinn ergeben soll, dann wohl nur, wenn die ganze Stadt mit Dutzenden bis Hunderten von Plakaten für ein Ereignis oder so bepflastert ist. Das können sich nur größere Firmen leisten oder solche, die alles auf eine Karte, ein Großereignis setzen.

Vielleicht zehn Minuten später war ich an meinem Stand, ordnete alles nochmals, band mir gerade auf dem Klo eine Krawatte mit Leopardenmuster um, als in schmerzender Lautstärke der Gong mit der Ansage ertönte: »In wenigen Minuten öffnet die Frankfurter Buchmesse die Tore für das Publikum ...«

Wenn es in Halle 3 mehr Trubel gibt als in Halle 4, dann sollte ich doch den Umsatz von 2010, um die 1000 Euro, locker wieder einstellen können, dachte ich optimistisch.

Aber in den drei Fachbesuchertagen wollte kaum jemand kaufen, der Umsatz bemaß sich in Dutzenden, nicht in Hunderten von Euro, obwohl heute wie damals erkennbar viele der Besucher keine Fachbesucher waren, sondern z. B. Schüler oder andere Privatpersonen, die von irgendwem mit einer Fachbesucherkarte versehen worden waren.

Mehr Leute wollten mir was verkaufen als abkaufen: Grafiker, Druckereien, Autoren, Verlagsauslieferungen ...


Der Sammelstand neben mir bekam für 50jährige Messeteilnahme einen Schokokuchen, den zweiten. (Der erste ist nach 25 Jahren fällig.) Das mag ein kleiner Trost dafür sein, daß 50 Messeauftritte locker so viel kosten wie ein Einfamilienhaus ... 

Einer der Verlage am Sammelstand nebenan hieß Riva, und der hat ein Kochbuch »50 shades am Huhn« im Programm, das einerseits eine - aus dem Blickwinkel des vernaschten Huhns geschriebene - Parodie auf den bekannten SM-Schmöker ist, andererseits aber auch gute Hühnerrezepte bietet. Auf das Buch wies mich ein Besucher hin, daß es aber im Riva Verlag erschienen ist, merkte ich erst jetzt. - Eine Zeitlang verkaufte dort am Stand eine bildhübsche junge, blonde Assistentin, die auch noch (laut Namensschild) Cindy hieß. Schweres Schicksal ;-)


Der Gmeiner Verlag schräg gegenüber wurde 30 Jahre alt, da erschien sogar - nachdem er einige Male hin- und hergelaufen war - der SPD-Politiker und Ex-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück, der wohl überall dabei ist, wo man fürs Reden und Auftreten viel bekommt, also meistens nicht im Bundestag.
Raus aus der Tram und rein in den Schienenersatzbus - leider in den falschen. An Sportstätten vorbei ging's bis zu einer Wendeschleife am lauschigen Waldrand, wo ich tags zuvor mit dem Auto auch rumgeirrt war. Also wieder zurück und rein in den richtigen Schienenersatzbus. (Auch Alteingesessenen passierte das.)

In Schwanheim nahm der Bus eine Route durch den Ortskern, die beidseitig von Tafeln gesäumt war: Hier werde am Sonntag, dem 30.10., die Marathonstrecke sein, dann könne man von 8.30 Uhr bis 16.30 Uhr nicht wegfahren - nämlich bis auch solche Langsamen wie S. und besonders ich durch sein würden. 2011 hatten wir am Frankfurt-Marathon teilgenommen, auch an einem 30.10., auch ein Sonntag, der die Umstellung von Sommer- auf Normalzeit brachte und somit eine Stunde mehr Nachtschlaf. Start war am Messeturm; als ich - nach vielleicht einem Dutzend Kilometern - über die Mainbrücke nach Sachsenhausen joggte, gar nicht weit von der Juhe, schob sich unter der Brücke ein niederländischer Frachter namens »Explosief II« durch, und ich fragte mich unwillkürlich: Was ist wohl aus »Explosief I« geworden? - Dann westwärts durch immer jüngere Gebäudezeilen, schließlich durch die öde Bürostadt und dann durch Schwanheim, wieder nordwärts über den Main und nach Nied, wo an der Kirche ein Schild stand:  »Wer mit dem Herrn läuft, der wird niemals müde.« Demzufolge müßten hier viele Gottlose laufen, denn so einen müden, ausgelaugten Haufen hatte ich selten gesehen. An einer Straßenecke das grüngestrichene, letzte Haus der Mainzer Landstraße, mit der Nummer 800. Dann eine Wendeschleife am Bolongaropalast im Stadtteil Höchst, 200 Meter vom »Hotelschiff Schlott« entfernt, wo ich rund zwei Wochen zuvor genächtigt hatte, ein Buchmessenaussteller (zusammen mit Charon) auch damals, auch damals 200 Meter von einer Straßenbahn-Endstation entfernt - nur war das Schiff als Unterkunft irgendwie romantischer ... - Nach Kilometer 30 hatte man dann das Vergnügen, die ganzen 800 Häuser der Mainzer Landstraße wieder zurückzujoggen ins Stadtzentrum ... 

Von der Marathonstrecke bog der Bus schließlich südwärts ab durch eine gasbeleuchtete Straße; in Frankfurt, auch in Sachsenhausen und sogar im modernen Büroviertel nordöstlich der Messe, trifft man noch etliche, und zwar nie mit dem in Berlin vorherrschenden Typus à la 1900, sondern mit einem in Berlin seltener zu sehenden, moderneren Typ.

Topmodern wie eine Zahnbürste: Frankfurter Gaslaternen






















Frankfurts Kneipen bieten neben Bier auch jede Menge »Geribbelten«, d. h. Äppler (nach der Glasform), eine willkommene Abwechslung, fand ich. Es ist sogar erlaubt, daß Raucherkneipen warme Speisen servieren, das muß man ja  heutzutage schon hervorheben. Ein kleiner Lichtblick angesichts der wachsenden Unfreiheit ansonsten: Einer erzählte, ein Führerscheinneuling sei mit 0,1 Promille erwischt worden in der Probezeit - ab zum Psychotest! Dabei scheint mir ganz Deutschland irre zu sein angesichts einer Ideologie, die das kleinste Bierchen dermaßen verteufelt. Fast war mir jener Typ lieber, der die Promillegrenze irrtümlich bei 0,7 verortete ...

Etwa um zehn war ich wieder im Hotel.

Donnerstag, 20.10.2016

Mein Freund, der Journalist S., kam, mein »Messeboy« von 2010. Mehrere belgische Starkbierchen auf nüchternen Magen, quer über den Tag verteilt, das sorgte für Kopfschmerzen, die erst durch den üppigen Hackbraten am Abend wieder weggingen.
 
Freitag, 21.10.2016

S. kam noch mal vorbei, diesmal mit seiner Freundin.

Das Rindsgulasch mit Rotkraut im Zehnthof war lecker, aber ich hätte noch eine weitere Portion vetragen können, deswegen kehrte ich freudig in eine nahegelegene Türkenkneipe ein, die genau dieses auf einer Tafel vor dem Haus anbot. Der Wirt: »Ich biete doch kein Gulasch an!« - Ich: »Doch!« - Wirt: »Ich habe keinen Koch!«


Der Wirt servierte mir schließlich etwas, was wie eine Kreuzung aus Spaghetti bolognese und Lasagne aussah, mit Fleischbrocken, dicken Röhrennudeln und mit viel Reibekäse obendrauf. Selbst die Bedienung hatte ein schlechtes Gewissen: »Das sieht wirklich nicht wie Gulasch aus. Sie können es ruhig zurückgehen lassen!« Aber was soll's - es schmeckte gut, das Überraschungsgericht :-)


Wohlgesättigt strebte ich ins nahe Hotel.

Samstag, 22.10.2016


Fast alle schliefen noch, auf den Straßen rührte sich kaum was - leider auch kaum Trams und Busse. »Ausgedünnter Verkehr«, ich kam erst zehn Minuten später mit dem Ersatzbus weg als sonst; auch die Straßenbahn in der jetzt ganz leeren »Bürostadt« zögerte ewig mit der Abfahrt. Tristes Wetter, trübe Gedanken. Die Spitze des Messeturms stak in Wolken.

Erst um 8.45 Uhr traf ich im Messeturm ein, wo schon ein riesiger Haufen von »Otto Normalverbrauchern« auf Einlaß wartete, denn heute war ja der erste der zwei abschließenden Messetage, die für Normalbesucher statt Fachbesucher reserviert sind. Zwar sind an den Fachbesuchertagen auch schon etliche Leute unterwegs, die erkennbar keine Fachbesucher sind, etwa Schüler, aber erst am Wochenende ergießt sich der Andrang der Normalbesucher ungebremst in die Messehallen.

8.53 Uhr: Ich sah verblüfft, daß auch unten in einer Ecke von Halle 3.0 schon eine Menschenmenge auf Einlaß wartete. Ja, richtig, schoß es mir durch den Kopf, hier mußte man ja immer so aufpassen: Wenn man eigentlich nur auf der Agora, dem Innenhof, Luft schnappen wollte, fand man sich unversehens außerhalb des Messegeländes wieder. Dumm, wenn man dann seinen Ausstellerausweis drinnen gelassen hatte ... 

Da wartete jetzt eine Menschenmenge auf Einlaß ab neun. Es war 8.55 Uhr. Ich eilte die Treppe runter und in die Gasse B, als auch schon der Gong ertönte: »In wenigen Minuten öffnet die Messe ...« Immerhin mußte ich heute keine Krawatte umbinden, ich trug ein T-Shirt mit Frackaufdruck unter einem schwarzen Jackett.

Kurze Zeit später quollen die Gänge über vor Menschen, und das blieb bis zum Abend im wesentlichen so. Die wenigsten waren aber kaufwillig. Meine »Kein Bier vor vier«-Uhr und die »Hinknien, anklopfen und um Audienz betteln«-Fußmatte wurden zwar belächelt, aber kaufen wollte kaum einer, auch nicht zu einem Preis von 5 Euro für ein und 10 Euro für drei Bücher. Auch von den 30 autorsignierten Comics waren am Schluß noch 27 da. 


Freund D. kam, dem ich einen Ausstellerausweis überlassen hatte. Am Freitag hatte er sich leider nicht freimachen können. Er knipste mich und meinen Stand:



Rosa Glitzerhut und T-Shirt mit Frackaufdruck - fertig ist der Schwergewichts-Buchmessenparadiesvogel 2016




Die meisten Bierchen wurden von uns getrunken, von mir, D., S. und den Merlins, nur wenige wurden an Kunden ausgeschenkt. Etwa die Hälfte der Flaschen waren bei Messeschluß noch voll.

Sonntag, 23.10.2016

Noch ausgedünnter war der öffentliche Nahverkehr heute. Ich mußte den Bus um 7.40 Uhr erreichen, denn der um 8.10 Uhr wäre zu spät, da käme ich mitten in die Traube der Lese- und Einkaufswütigen und bliebe darin stecken. Vom Hotelzimmer bis zum Messestand, Luftlinie vielleicht fünf bis sechs Kilometer, brauchte man in der Tat etwa eine Stunde mit dem öffentlichen Nahverkehr.

Der Morgen graute vor sich hin, zwei, drei Hähne vom nahen Kleintierzüchtergelände krähten um die Wette, als könnten sie so das triste Grau vertreiben, kaum jemand war unterwegs.

Diesmal war ich schon um 8.45 Uhr am Stand, da blieb noch etwas Luft, bevor sich die Menschenmassen durch die Gänge ergossen. Ich hatte den weißen Polster-Klapphocker direkt an den Gang gerückt. So mußte ich nicht immer stehen, konnte sitzen und den Verkehr im Gang im Auge behalten. Gelegentlich besorgte ich mir eine Gratiszeitung, eine FAZ etwa (die ironisch-süffisante Messe-FAZ war ja leider aus Kostengründen eingestellt worden), damit's über die Stunden hinweg nicht allzu langweilig wurde. Aber viel zum Lesen kam ich natürlich speziell an den letzten beiden Tagen nicht ...

Den Rollwagen hatte ich am Stand gelassen, mit schwarzen und roten Bettlaken kaschiert und Prospekte darauf drapiert. 
   
Auf einmal stand am frühen Nachmittag der Chef des Goliath-Verlags vor mir, der nach wie vor in Halle 4.1. residiert. Strunzte er vor Jahren noch, die Kosten seines aufwendigen Stands (locker 6000 Euro) und der Reklame in diversen Gängen allemal durch Verkäufe reinzukriegen (»Lediglich Bahnhofs- und andere Buchhandlungen werden immer zickiger und zurückhaltender, aber viele kaufen nur einmal jährlich hier am Stand, der Messeauftritt trägt sich«), so war seine Laune jetzt gedämpfter: Die Umsätze gingen weiter zurück, es sei nicht mehr kostendeckend, und überhaupt sei alles viel zu teuer: Die Eintrittskarten für Otto Normalverbraucher 28,- Euro fürs ganze Wochenende, ein Schloß für die Sitzschränke 49 Euro (also besser selbst eins mitbringen), die Merlins zahlten für die Genehmigung, auf dem Messegelände zu parken, über 80 Euro usw. usf. Selbst ein einziges popliges Regal beim Gemeinschaftsstand kleiner Verlage in Halle 3.1 ist mit rund 900 Euro nicht viel billiger als ein 4-m2-Stand. Ich: »Stinklangweilig und hochliterarisch ist dieser Stand, manche Regale sind nicht mal vom Gang aus zu sehen, dazu muß man sozusagen in die Hinterzimmer gehen.« Goliath: »Das haben wir am Anfang mal gemacht - die reine Katastrophe! Die sind einfach viel zu konservativ!« Zu konservativ für erotische Inhalte - das dürfte für einen Großteil des deutschsprachigen Buchhandels gelten. Auch meine wenigen Vertreter im Buchhandel mühten sich vergeblich ab, keiner wollte den Marterpfahl ans Lager nehmen. Ein Vertreter winkte von Anfang an ab: »Interessantes Sortiment - aber können Sie sich vorstellen, was der durchschnittliche Tiroler Buchhändler dazu sagt?«

Wahrscheinlich ähnliches wie der Herrscher von Schardscha (Sharjah), des konservativsten der Arabischen Emirate. Dabei hat der durchaus literarische Ambitionen. Als ich 2011 bei der feierlichen Eröffnung der Frankfurter Buchmesse dabei war (Ehrengast Island hatte seinen Präsidenten und seinen Botschafter aufgeboten, Deutschland Außenminister Westerwelle), hieß es am Schluß: »Bitte bleiben Sie noch sitzen, bis die Ehrengäste den Saal verlassen haben« - darunter auch der Herrscher von Schardscha. Ich erwartete einen Mann im Nachthemd mit einem Gefolge tiefverschleierter Frauen und war etwas enttäuscht, als das ausblieb. - 2012 stellte der Herrscher seine im Olms Verlag erschienene zweibändige Autobiographie vor und war persönlich am Stand des Verlags, aber wieder unauffällig europäisch gekleidet, und inzwischen hat er sogar selbst eine große Buchmesse, siehe hier, mit über 1400 Ausstellern!


Das meiste sicher Koranausgaben, alhamdullilah



Da flögen die Kutten und Handtücher hoch beim Anblick von z. B. Goliath-Girls!:-)



Fast wie Frankfurt am Main - bis auf die fehlenden Drinks










Frei ausgepflanzte Palmen gibt's in Frankfurt am Mainufer auch schon und verschleierte Frauen ebenfalls - aber in Schardscha ist noch nicht mal ein Feierabendbierchen erlaubt!

Ansonsten erlauben Islamisten sich ziemlich viel. Einmal nahm Goliath auch an der Pariser Buchmesse teil, die viel eher als Frankfurt als Verkaufsmesse konzipiert ist, und Goliaths Bände zeigen ja fast nur Bilder, kaum Text. Das Ergebnis war enttäuschend. Fast alle Bücher wurden wieder für die Rückreise verpackt. Goliath: »Dort und in den USA ist das alles so halbmafiös geregelt, man darf das nicht selber machen, sondern nur von der offiziellen Gewerkschaft zugelassene Arbeiter.« Und als die Goliaths dann zu Hause die Palette mit den zurücktransportierten Büchern in Augenschein nahmen, da lagen zwar obenauf Goliath-Bücher, aber darunter tonnenweise islamistische Pamphlete. Nur die Schadenersatzsumme der Versicherung verhinderte ein wirtschaftliches Desaster. 

Der Erotik-Bildbandverlag Edition Reuss war seit einigen Jahren auch nimmer bei der Buchmesse vertreten. Neu dabei ist »Plaisir d'amour - Erotik von Frauen für Frauen«, die nur Schmachtfetzen, manche etwas SMig, von AutorINNEN nehmen - mir juckt's im Schreibfinger, die mit einem Fake-Manuskript auszutricksen, wo ich doch so einfühlsam schreiben kann ;-) - Aber ist wohl zu aufwendig.

Was vielleicht möglich und sinnvoll wäre: Den Stand eines Anbieters fürs Fachpublikum (wie der Runge Verlagsauslieferung), der am Freitagabend schon schließt, am Samstag und Sonntag für sich selbst nutzen (mit Einverständnis des Standinhabers - und wenn er nicht zu weit weg von den allgemeinen Publikumsverlagen liegt); oder bei der Messe nach Last-Minute-Angeboten fragen, also bis zuletzt freigebliebenen oder wieder freigewordenen Ständen (etwa weil ein Verlag pleite gegangen ist). 

In Leipzig kostet zwar alles nur zwei Drittel der Frankfurter Preise, aber die Umsätze sind auch geringer. Daß der rechte COMPACT-Verlag von Jürgen Elsässer in Leipzig nur unter Polizeischutz ausstellen konnte, berichtete ich schon hier; daß die Polizei sogar COMPACT-Leute begleiten mußte, die etwas Vergessenes aus dem Auto holen wollten, war mir neu, die Merlins erzählten es mir. So viel zum Stand der Toleranz in Deutschland. Auch religiöse Verlage als Standnachbarn reagieren mitunter verschnupft auf Erotika ... - Die JUNGE FREIHEIT war von Halle 3.1 in Halle 4.1 verlegt worden, möglicherweise mit politischem Hintergrund.

Endlich ging's zu Ende. 17.30 Uhr. Bis zuletzt wühlten einige SMer in meinem Angebot, aber insgesamt war das Ergebnis enttäuschend: Nur etwa 250 Euro Einnahmen aus Buchverkäufen.


Ich packte meine Aktentasche, räumte die Bücher und alles sonst zu ordentlichen Stapeln zusammen, fügte einen Zettel »Wird bis Montagmittag abgeräumt« hinzu und ging.

Viel gegessen und getrunken und früh schlafen gegangen.
 
Montag, 24.10.2016

Heute döste ich mal länger, saß erst um acht beim Frühstück.

Um zehn Abfahrt mit dem Auto, aufs Messegelände. Ich mußte aufs Parkdeck über Halle 4.1, der Parkplatz vor Halle 3 war überfüllt. Wie am Montag zuvor waren die Messebauer mit Musikbedudelung tüchtig am Werkeln, nur diesmal halt am Abbau statt am Aufbau, und wieder waren die Gänge so vollgestellt, daß ich kaum durchkam.


Wenige Minuten später stand ich fassungslos vor meinem geplünderten und verwüsteten Stand: Die roten Sitzkissen waren weg, die Uhr, die Fußmatte, ca. 60 Bücher im Großhandelswert von ca. 480 Euro, nicht aber der Klapphocker und die Bücher darin, die restlichen belgischen Bierchen auch nicht, wohl aber die beiden Flaschenöffner, so daß ich mir nicht mal zum Trost eins aufmachen konnte. Traurig klaubte ich die verstreuten Visitenkarten zusammen, machte klar Schiff, so gut es ging, erstattete pro forma Anzeige bei der Polizei, die mich und einen anderen ebenfalls Ausgeraubten, auch aus Halle 3.0, ganz in der Nähe meines Stands, eher barsch und förmlich behandelte denn hilfreich. Klar, das Diebesgut seh ich nie wieder - aber wenigstens als Ausgabe möcht' ich's geltend machen ... 


Bei tristestem, trübstem Regenwetter fuhr ich heimwärts, setzte mich Stunden später mit den verbleibenden, trostreichen Bierchen an diesen Rechner und begann diesen Bericht, der jetzt, drei Tage später, fertig ist, viel zu spät eigentlich. Buchmessenauftritte stibitzen - selbst ohne Räuber - zu viel Geld, und solche Berichte wie dieser hier stibitzen zu viel Zeit, auch wenn es Spaß macht, sie zu verfassen (und einigen Fans, sie zu lesen).


Gerade mal poplige 60 Bücher waren in meiner Abwesenheit bestellt worden - inzwischen sind's aber schon wieder über 200, und so muß ich morgen trotz meiner fetten Erkältung (nur Tabletten halten mich aufrecht, so daß ich hier schreiben kann) Pakete schnüren.


Mein Blog wies vor einigen Tagen mal wieder eine plötzliche Besucherspitze auf - 300 Besucher statt 50. Vor einem Jahr waren's die Russen, die für solcher Besucherspitzen sorgten, vor einigen Wochen die Amis und diesmal kurioserweise die Polen; sie besuchten letzte Woche häufiger meinen Blog als die Deutschen. Komisch - soooo viele polnische Druckereien, die mir was verkaufen wollen, gibt's doch auch wieder nicht ...


Beim Schreiben rief einer an: »Ist da die Kurklinik Bad Sebastiansweiler?« (5 km entfernt). Daß man mich mit der Gemeinde oder der Kreissparkasse verwechselt, sich verwählt, das kam schon öfter vor - aber noch nie mit der Kurklinik Bad Seb.weiler.
 

Vorgestern mailte mir die Buchmesse: »See you in 2017, Rüdiger Happ!« Haha - da kann sie lange warten! Es sei denn, mir fällt irgendein Trick ein ...

9.10.16

Marterpfahl geht an den Marterpfahl - in die Löwengrube der Wikipedia-Schreiber -
Vorschau auf Frankfurt und was sonst noch passiert

Neonazis am Marterpfahl?

Seit Jahren schon stand da im Eintrag »Anne Rice« der deutschsprachigen Wikipedia der Satz (sinngemäß): »Eine deutsche Ausgabe der Dornröschen-Trilogie wurde vom Marterpfahl Verlag herausgegeben.« 

Die rote Farbe, eine lexikalische Lücke anzeigend, lud seit Jahren zu einem Eintrag ein, ich hatte auch schon einen Text vorbereitet - und letzten Sonntag füllte ich ihn ein, begleitet von der Ansage, mich erst wieder in einer Woche hier sehen zu lassen. (Mehr hielte mein Nervenkostüm nicht aus.)


Kaum ins Netz gestellt, sollte er schon wieder gelöscht werden, der Eintrag zum Marterpfahl Verlag, siehe hier die Liste der aktuellen Löschkandidaten. Aber es sieht so aus, als hätte ich Glück gehabt, puh *schwitz* - ich hab grad nur eins vor den LAZ bekommen, was immer das auch heißen mag. Und immerhin: »Renommiertester Verlag der BDSM-Szene« - da wächst man schon innerlich zehn Zentimeter, mindestens :-) .  

Hier ist nun der ganze Eintrag, so, wie er momentan ist.

Abstruse »Kritik«: 2007 behauptete ein Autor eines (gottlob vergriffenen) Werks offenbar, mein Webauftritt sei beispielhaft für den wachsenden Einfluß von Neonazis in der »Sexszene«. Ich kann mir höchstens meine damalige Linkliste, Rubrik »Politik«, als Quelle für so einen Stuß vorstellen.

Na ja. Irgendwie muß man da jetzt durch. Per aspera ad astra :-) Wird schon schiefgehen :-)

Buch & Bierchen




Nur am Kconenkorken kann man die ansonsten unbeklebten Westvleteren-Biere auseinanderhalten. Nur für den Eigenbedarf und das örtliche Café »In de Vrede« (bitte googeln) brauen die Mönche, »Fabrikverkäufe« des hochbegehrten Gerstensafts sind rar, Weiterverkauf unerwünscht - dennoch konnte ich zwei (sündteure) Flaschen ergattern, und auch für meine Buchmessengäste bleibt ein Schlückchen von diesen und anderen teuren Tropfen übrig (ab 16 Uhr).








Hinknien muß sich dafür keiner, aber ich erwarte einen Tribut in Form eines Kaufs eines einzelnen Buchs oder eines Buchpäckchens für 10 Euro. Dann gibt's obendrauf ein Schlückchen (solange Vorrat reicht). Ich freu mich schon :-)

Noch mal zum Mitschreiben:


Ich lade hiermit alle Freunde gepflegter SM-Literatur an den Stand des Marterpfahl Verlags auf der Frankfurter Buchmesse ein, Halle 3.0, Stand B 23.


Die Messe dauert von Mittwoch, dem 19. Oktober, bis Sonntag, dem 23. Oktober; die ersten drei Tage sind fürs Fachpublikum, Samstag und Sonntag für die leselustige Allgemeinheit.

Wer ab 16 Uhr kommt, hat die Möglichkeit, zusätzlich zu verbilligten Büchern und Buchpäckchen (2 – 4 Titel) – alle für 10 Euro – einen guten belgischen oder niederländischen Brautropfen zu ergattern (solange Vorrat reicht).

Es wird signierte Exemplare des Comicbands HAMBURG ABANDON geben.
 


Muftis unterwerfen Westminster

Zum erstenmal seit WK Zwo wird die Mutter aller Parlamente umfassend renoviert, für vier Milliarden Pfund. Sechs Monate lang brauchen die Abgeordneten ein Ausweichquartier. Und welches wurde genommen? Ein Gebäudekomplex, der irgendwelchen Muftis gehört - Alkoholverbot inklusive. Über den üblichen Alkoholkonsum britischere MPs berichtet die NZZ. Wer das auf muslimischer Seite eingefädelt hat, verdient den Titel »Mufti des Monats«.

Merkel die Unschlagbare

Der Aufstieg der AfD läßt die anderen Parteien zu einer Art MED (Merkelistischen Einheitspartei Deutschlands) zusammenrücken, so daß die Chancen gering sind, die Tussi in naher Zukunft loszuwerden. Volker Pispers untersucht in der »Anstalt« ihren Stil:

Merkel gibt die Queenmum.

Da hilft nur noch ein Bierchen zum Trost - Prost und auf nach Frankfurt! :-) 

2.10.16

Was hinter »9 1/2 Wochen« steckt: Die Frau, die Elizabeth McNeill war

Es war wohl 2001 oder 2002. Ich hatte die Idee, für alle MARTERPFAHL-Autoren eine Sommer-Grillparty im (jetzt auch nimmer existierenden) Fetomaniac auf der Alb zu veranstalten. Vielleicht würde ja eine Tradition draus werden. Pro forma schickte ich auch eine Einladung an Elizabeth McNeill, die Autorin von 9 1/2 Wochen, und zwar - in Ermangelung ihrer Email-Adresse - an ihren amerikanischen Verlag. Von dem bekam ich dann die Antwort, man wisse nicht, wo E. McNeill stecke, es stehe mir aber frei, nach ihr zu suchen.
Ich dachte mir: Wissen die tatsächlich nicht, wo sie steckt, oder treiben die nur auf Wunsch der Autorin ein Versteckspiel?
Erst jetzt erfuhr ich, daß E. McNeills wahre Identität längst bekannt ist: Sie hieß eigentlich Ingeborg Day und noch eigentlicher Ingeborg Seiler, stammte aus Graz, war Jahrgang 1940, ging 1957 in die USA und wurde Schriftstellerin. »9 1/2 Wochen« schrieb sie, eine tatsächlich persönlich erlebte Affäre im Gedächtnis, unter Pseudonym, antwortete aber auf einer Familienfeier von Bekannten auf deren neugierige Frage, woran sie gerade arbeite, wahrheitsgemäß »an einem erotischen Roman« - und erntete Gelächter. Niemand nahm es ernst. (Das war früher auch meine Erfahrung: Auf solche Fragen kann man ruhig wahrheitsgemäß die dollsten Dinge behaupten; jeder wird die Antwort als Scherz auffassen - es sei denn, man ist schon als SMer bekannt ...) 
2011 beging sie in Ashland, Oregon, Selbstmord, nach langer Krankheit. Vier Tage später starb ihr Mann und Witwer.
Schade, daß sie nicht zur Gartenparty kam. Ich hätte sie gern kennengelernt. 
Näheres über sie hierhier und hier.  

Einfach gigantisch: »Drankgigant«

Vorgestern online bestellt, heute schon geliefert: die belgischen Biere für die Buchmesse. Von der Firma Drankgigant bei Vlissingen. In den Niederlanden sind belgische Biere billiger als in Belgien selbst (wegen der Steuer), das las ich schon vor Monaten in einem Blog eines Rheinländers, leider ohne Bezugsquellenangaben. Purer Zufall, daß ich jetzt im Internet auf Drankgigant.nl stieß. Aber es hat sich gelohnt :-) - (Wenn man eine Umsatzsteuer-Ident-Nr. anzugeben weiß, kann man sich die Umsatzsteuer sogar ganz sparen :-)) *Prost*

43.000 Mal hat es jetzt schon guten und immer besseren Sex gegeben, nämlich ...

... für alle Käufer und Leser von Arne Hoffmanns »Sex für Fortgeschrittene«, das stellte ich soeben beim Blick in Buchführung und Verkaufsstatistik fest. Rund 34.300 Exemplare der Originalausgabe wurden bis heute verkauft, dazu eine Taschenbuch-Lizenzausgabe mit etwa 6.000 (allerdings nicht zur Gänze verkauften) Exemplaren; ferner konnten 1.500 Stück einer kroatischen und 900 Stück einer taiwanesischen Lizenzausgabe an den Mann (oder die Frau ;-)) gebracht werden: Ein schöner Erfolg, der sich ruhig einmal wiederholen könnte :-) 

Mal die Russen, mal die Amis

Vor Monaten berichtete ich darüber, daß zeitweise mehr Russen diesen Blog frequentierten als Deutsche. Gestern (25.9.) wurde ich nun davon überrascht, daß auf einmal fast 300 statt 40 bis 60 Besucher auf diesem Blog waren - diesmal überwiegend Amis, viel mehr als Deutsche. Keine Ahnung, woher das kommt ... 

26.9.16

SS 2 und SS 3 - Marterpfahl wieder auf der Frankfurter Buchmesse


SS 2 (Schwarze Serie Band II) wird ein - auf der Frankfurter Buchmesse (siehe unten) präsentierter Band vom Feinsten sein: Eine Hamburger Deern wird entführt und aufs schändlichste - - nun ja, lesen Sie selbst.

SS 3, schon seit längerem halbfertig, kommt aber wegen technischer Probleme erst im November/Dezember: Eine geheimnisvolle Villa; Kunstliebhaberei und kunstvolle Unterwerfung. Eine Dame mit einer Peitsche. Es wird spannend werden ...

Marterpfahl goes Frankfurt again: Zum ersten Mal seit 2011 besucht der Marterpfahl Verlag heuer wieder die Buchmesse Frankfurt (19.-23.10.), diesmal in der gutbesuchten Halle 3.0, Stand B 23.
Schwerpunktland sind heuer die Kaasköppe (Niederlande und Flandern), da bietet sich eine günstige Gelegenheit, belgisches Bier auszuschenken (nur aus dem flämischen Landesteil natürlich ;-))

Wer hilft mir diesmal beim Biertrinken? (Bild von 2010)
















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Ein Autor gibt auf: Am 31.7. verkündete »Gerwalt« hier seinen Rückzug als Autor. Im Hauptberuf ist er »die Treppe hinaufgefallen«, und der Gehaltszuwachs dürfte gewiß das Autorenhonorar übertreffen. Mit dem Gehalt wuchs auch der Streß, so daß nur noch wenig Zeit zum Schreiben blieb. Gewachsen ist auch der Frust darüber, daß es immer schwieriger wird, auch nur 1000 Menschen zum Kauf eines Romans zu bewegen, und wenn man dann noch eine Vorliebe für dezente Titelbilder und literarische Titel hat, dann wird's noch schwieriger. »Nouvelle France« wollte er einen bestimmten Roman nennen statt wie von mir - zu seinem Ärger - durchgesetzt »Sklavin am Ohio«; aber dann wären wohl nur 100 Stück verkauft worden statt immerhin 550 ... »Die Ritterburg der geilen Sexsklavinnen« wäre - wir sprachen in diesem Blog schon mal darüber - verkaufsträchtiger gewesen als »Weidenrute und Schwert«, »Feder und Farbe«, »Kette und Kreuz« ... Es gelten die Gesetze der Illustriertenreklame: Was nicht auf den ersten Blick den Blick des Lesers fesselt, kann noch so gut sein - es fällt durch den Rost der Aufmerksamkeit, bleibt ungelesen. - Virales Marketing? Kann man vergessen, wenn man keine von Tausenden besuchte Facebook-Seite hat, und auch dann muß man pausenlos rührig sein und am Ball bleiben, um die Aufmerksamkeit des Publikums zu halten. - Ebooks? Starker Preisdruck. Preise über 5 Euro für Erotik-Ebooks scheinen kaum durchsetzbar. Und dafür soll man nun 200 Seiten schreiben, monatelang, wenn das Publikum kaum bereit ist, dafür den Gegenwert von ein,  zwei Kneipenbieren zu löhnen?

Nein, zwei Autoren: Eine Etage höher, verkaufszahlenmäßig, hat einer meiner Bestsellerautoren vor ein, zwei Jahren ähnliches geäußert. Das Schreiben sei - neben einem IT-Beruf - eines seiner zwei wirtschaftlichen Standbeine, aber zu dünn und spillerig dürfe es auch nicht werden. Er habe keine Lust, zwei Monate lang an einem Roman zu schreiben, wenn der nicht mindestens 4000 Euro Honorar einbringe. Da verwende er lieber mehr Zeit auf seinen Elektronikjob, der sei einträglicher.
Ähnliches im Musikbereich: CDs verkaufen sich kaum noch, Raubkopien ohne Ende, wenn überhaupt noch was geht, dann mit Konzerten.
Vor 200 Jahren sprach sich Schopenhauer gegen Literatur von Profis aus (sinngemäß): »Neun Zehntel der gegenwärtigen Litteratur haben nur den Zweck, dem Publico einige Taler aus der Tasche zu ziehen, dazu haben sich Autor, Verleger und Recensent fest verschworen.« Er bevorzuge den Amateur und Dilettanten mit Herzblut und ohne Gewinnerzielungsabsicht. (Er konnte sich's auch leisten.)
Ja, so ist das heute. Außer einer kleinen Zahl von Bestsellerautoren können immer weniger mit Literatur im engeren oder weiteren Sinne ihre Brötchen verdienen, und das wird dazu führen, daß nicht nur routinierte Allerwelts-Profiautoren, um die es nicht allzu schade ist, aufgeben, sondern auch viele lesenswerte, liebevoll ihre Geschichten ausfeilende Amateur-Autoren, auch solche, denen die Printing-on-Demand- und Selfpublishing-Dienste gerade erst die Bücherwelt erschlossen hatten. Es war noch nie so leicht, Bücher herauszubringen, und noch nie so schwer, sie unters Volk zu bringen. -
Der letzte VHS-Videorekorder-Produzent hat Ende Juli die Produktion eingestellt. Eine Ära geht zu Ende. (Werden eigentlich noch Musicassetten hergestellt, oder hat's die auch schon erwischt?) Siehe auch: »Wir hätten gern weiterproduziert.« -
Brügge bekommt eine Bier-Pipeline und entlastet seine Altstadtgassen von den Bierlastern. - Schluß mit den Rauchverboten, weniger Tempokontrollen und höhere Promillegrenzen für Autofahrer - so das Wahlprogramm der UKIP für die schottischen Regionalwahlen (kein Link). - 
Die Achse des Guten entdeckt das belgische Klosterbier. - 
Mal was Gutes von der Linken: Schluß mit dem Bezahlen für Autobahnraststättenklos!

Politik: Zeit zu gehen

Warum er nach etlichen Jahren aus der CDU austrat, faßt ein Funktionär der unteren Garde in Sachsen so zusammen: »Niemand ist der CDU beigetreten für eine Politik der unbegrenzten Zuwanderung. Niemand für eine Finanzierung der italienischen Staatsschulden durch die Europäische Zentralbank. Niemand für eine Energiewende, die über die Pläne von Rot-Grün hinausläuft. Niemand hat je einen CDU-Aufnahmeantrag gestellt, damit die Türkei EU-Mitglied wird. Und erst recht hätte sich niemand, der vor 2005 CDU-Mitglied wurde, je träumen lassen, dass die Partei, der er angehört, das alles aktiv betreiben würde.« - Besonders der Jubelparteitag im letzten Winter habe ihn, den Ex-DDRler, nachdenklich gemacht: »Meine Zweifel begannen mit dem gruseligen Bundesparteitag in Karlsruhe, zu dem ich Delegierter war. Neun Minuten standing ovations für Angela Merkel waren angesichts der Situation im Land mit damals über 100.000 illegalen Einwanderern je Monat eine Verhöhnung der Bürger. In ihrer Rede entfaltete sie die Vision eines Landes ohne Grenzen, was immer auch ein Land ohne Sicherheit, ohne Wohlstand und ohne demokratische Mitsprache für die einfachen Leute bedeutet. Es gab nichts zu bejubeln. Von Karlsruhe flog ich zur Weihnachtsfeier meines Ortsverbandes; es war eine andere, gute Welt. Miteinander zu tun hatten sie nichts mehr.«
Mehr auf der Seite cdu-austritt.de

Merkels gedämpfte Selbstkritik ;-)







Eine Schuldenuhr diverser EU-Staaten findet man hier. Nur Deutschland, Slowenien, Litauen und Zypern bauen Schulden ab, alle anderen bauen mit an immer höheren Schuldenbergen. Zeit für Deutschland, seinen Hut zu nehmen und sich aus dieser europäischen Gemeinschaft tickender Schuldenbomben zu verabschieden. - Die Zeitungsverleger der USA wollen keine mehr sein: Das Wort »Zeitung« strichen sie aus ihrer Verbandsbezeichnung, siehe hier. Es geht bergab mit dem Papier. -


Weiter zum Kulturprogramm!:


Einen kritischen Blick auf Roald Dahl findet man hier, eine Hommage auf Peter Sellers dort, und mit dem 25 Jahre zurückliegenden, halbvergessenen August-Putschversuch von 1991 in der Sowjetunion befaßt sich die NZZ. Damals wollten Ewiggestrige das Rad der Geschichte Richtung Diktatur zurückdrehen, und einem gelang es später auch so halbwegs: Wladimir Putin. - »Black Angel« heißt der US-Film von 1946, in dem Peter Lorre einen Nachtclubbesitzer spielt. Er sei ganz überrascht gewesen, diesen Film auf Youtube zu finden, erzählte mir ein Fan solcher Schwarzer-Serien-Filme. Als ich ihn jetzt, Wochen später, aber aufrufen wollte, war er schon wieder verschwunden (der Film, nicht der Bekannte). - Die hier vor Monaten verlinkte SM-ige Graf-Yoster-Folge »Das Testament« findet sich auch nimmer am damals verlinkten Ort, sondern jetzt hier. - Ein schottisches Gruselschloß, völlig meschuggenes Personal, eine Testamentseröffnung, ein entnervter Fluglotse namens Dieter Hildebrandt und Iris Berben und Ingrid Steeger als Stewardessen: Fertig ist eine Folge der himmlischen Töchter. - 
Endlich sind doch mal einige Folgen von Didi Hallervordens NONSTOP NONSENSE online zu sehen, darunter Didis erste Schiffsreise. - Demütigung als »sissy boy« - perfekt in Filmbilder gefaßt. - Zum Schluß ein kultureller Höhepunkt: 1000 Meisterwerke - das Testbild.   

Freibad und Sommer adé :-( :

Die heißen Temperaturen gingen schon vor ein, zwei Wochen, heute ist es noch sonnig, aber morgens doch schon recht frisch. Der Herbst ist da, und heute, Sonntag, 25.9., ist letzter Badetag im Tübinger Freibad - bei freiem Eintritt. Das werde ich wohl noch einmal ausnützen, denn an den heißen Tagen Anfang September war's dermaßen überfüllt, daß man kaum das Wasser sah vor lauter Leuten und ich entsetzt floh. Aber bei der Zürcher Seetraversierung Ende August war ich dabei, zum dritten Mal insgesamt, und will das dem werten Publico nicht vorenthalten:


Kein Schwumm in der Badi – Sonntagsvergnügen: Mal wieder ’ne Runde schwimmen gehen – quer übern Zürichsee (2016)



28.8.2016



Aufstehen um halb vier. Wecker abstellen (10 Minuten länger schlafen bringt’s jetzt auch nimmer.)


Um 4.09 mit meinen Sachen ins Auto. Es ist still und stockfinster, Straßenlampen noch aus (bis 4.30), Himmel anscheinend bedeckt. Man kann das ab und zu erkennen, denn es wetterleuchtet wild und immer wilder, je weiter ich südwestwärts vorankomme. Auch einen Schauer gibt’s. Wenige hundert Meter vorm Einbiegen auf die Autobahn in Rottweil plötzlich zwei Anhalter am Straßenrand.

Mein Frühstück besteht aus einem Energiedrink, den ich beim Fahren schlürfe, sonst nichts.

Nach 90 Minuten gemütlicher Fahrt die Schweizer Grenze erreicht – und für den Rest bis 20 km südlich von Zürich würde ich Vignettenloser 1.50 h brauchen, Dörfchen für Dörfchen, Kreisverkehr für Kreisverkehr in diesem dichtbesiedelten Land, auch wenn es am Sonntagmorgen ganz leer ist. (Oder sollte ich einfach auch ohne Vignette auf die Autobahn?)

Gleich als ich vor Schaffhausen die autobahnähnliche Straße verließ, am erstbesten Bankautomaten 50 Franken gezapft – zuvor war ich nicht mehr zum Geldtauschen gekommen, für das man eh zur Tübinger Hauptfiliale der Sparkasse fahren muß, die Nehrener und andere Filialen haben das gar nimmer – oder nur auf Bestellung …

Zögernd wird es nach 6 hell – so herbstlich ist es schon, trotz der brütenden Hitze der letzten Tage. Daß die 60. Seetraversierung so spät im Jahr stattfindet, liegt auch nur daran, daß sie einem anderen Ereignis weichen mußte.

Um ca. 6.45 Wallisellen am Nordrand Zürichs: Viel Mietskasernen, Gewerbe, Industrie …
@ S.: Netten Wohnort hast du dir da ausgesucht ;-) – aber wenigstens halbwegs bezahlbar, vermute ich …

Endlich Zürich City, Hauptbahnhof, Limmat, Seeufer, die Küstenstraße am Westufer Richtung Chur. Es ist 7 Uhr, die aufgehende Sonne bestrahlt die Hanglagen am Westufer des Sees. Traumhaft schön. Herrliche Ausblicke nach Osten über den See.

Auch zu dieser frühen Sonntagmorgenzeit schon Baustellen mit einstreifiger Verkehrsführung und verkehrsregelnden Arbeitern.

7.30: Ich bin am Strandbad Rietliau, gerade als die Registrierung beginnt und der Parkplatz sich schon sichtlich füllt. Über die Überführung zur »Badi« strömen die Leute zur Registrierung, füllen Zettel aus mit Rubriken wie „Diese Wasserleiche bitten wir abzugeben bei …“ – nein, da steht nur: „Im Notfall benachrichtigen …“. Es ist in 60 Jahren noch keiner ertrunken bei dieser Seetraversierung.

Es sind anscheinend nicht wenige Deutsche da, auch etliche Engländer. Scheint eine international bekannte Veranstaltung zu sein. Die älteste und teilnehmerreichste Seetraversierung (mit bis zu 1000 Teilnehmern) ist sie allemal.

Um 8.45 soll eigentlich der Start am Ostufer in Männedorf erfolgen, aber um die Zeit warten wir noch am Westufer auf das Fährboot, das uns rüberbringen soll …

Endlich stehen wir am Ostufer, ein Straßencafé am Startplatz öffnet schon, per Lautsprecher erhalten wir Instruktionen, wie üblich auf Schweizerdeutsch, so daß ich nur die Hälfte verstehe, und schließlich geht’s los, es ist etwa 9.22, als ich mit anderen ins 24 Grad laue Seewasser plumpse und gen Westufer losschwimme, immer die nächste der großen orangefarbenen Bojen anpeilend, die auf ihrem Bauch die Entfernung zum Westufer anzeigen: „2,22 km“, „1,85 km“, „1,48 km“, „1,10 km“. Bei Letzterer war ich gut eine Stunde unterwegs, wäre also 2008 oder 2009 schon kurz vorm Ziel gewesen …

Heuer war ich fast untrainiert, so daß Zeiten von 65 bis 70 Minuten, die ich früher auf der 2,65 km langen Strecke erzielte, unrealistisch waren. Auch hatte ich diesmal eher den Genuß als das Tempo im Sinn, so daß ich, diesmal ohne Schwimmbrille, gemächlich schwimme, den Kopf beim Brustschwimmen fast immer über Wasser, ganz hinten bei der genüßlich schnatternden Kaffeetanten-Armada, nicht der tempogeilen, vollgummierten Sportkompanie, z. T. aus Triathleten bestehend, hinterherhechelnd …

Ab und zu rolle ich mich auf den Rücken, lasse mich sanft von der leichten Dünung in der Mitte des Sees schaukeln und genieße das Bergpanorama im Süden.

Aber alles hat ein Ende, auch das schönste Sich-wiegen-lassen. „730 m“ steht auf der nächsten Boje, das Westufer rückt näher, „320 m“, die jetzt gutbesuchte „Badi“ füllt immer mehr das Blickfeld …

»Unter mir ist Wasser, rechts, links, vorne und hinter mir auch. Ich bin da, wo man normalerweise als Schwimmer nicht ist oder zumindest nicht sein sollte: Mitten im Zürichsee, irgendwo zwischen Thalwil und Küsnacht«, schreibt eine Autorin der NZZ über die zwei Tage zuvor stattgefundene Seeüberquerung zwischen den beiden genannten Orten, 1,8 km lang. »Zwar finde ich mich in der Schlussgruppe wieder, doch auch hier geht es stetig vorwärts. Unversehens finden wir uns schon in der Seemitte wieder. Auch wenn der Himmel inzwischen wolkenverhangen ist, bietet sich ein eindrückliches Bild: Wenn ich den Kopf nach rechts drehe, sehe ich die Glarner Alpen, links reckt sich der Prime Tower in die Höhe – herrlich.« – »Mit einer Dame, die in der Nähe schwimmt, komme ich ins Gespräch. Sie sei vor einem Jahr letzte geworden, erzählt sie mir. Das wolle sie dieses Mal unbedingt vermeiden. ›Aber‹, fügt sie an: ›Wenn man langsamer schwimmt, kann man es auch länger geniessen.‹« – Hier der Link:

http://www.zsz.ch/news/standard/wer-langsamer-schwimmt-kanns-laenger-geniessen/story/31918562

Auch über das 60-Jahres-Jubiläum der (ältesten) Seeüberquerung, der von Männedorf nach Rietliau, berichtet die NZZ:

http://www.zsz.ch/meilen/Die-aelteste-Seetraversierung-des-Zuerichsees-wird-60/story/15279788

Ein paar Minuten noch, dann fassen meine Füße den Boden, den unangenehm steinigen, und ich wanke an Land. »Wie spät ist’s?« fragen mich zwei Mitschwimmerinnen, und ich zeige ihnen meine Armbanduhr: Viertel nach elf. – Eine offizielle Zeitmessung gibt’s bei diesem Volksschwimmen nicht.

Einen Apfel gibt’s und einen Gutschein für ein Würstchen, aber sobald man mehr will als das Standardwürstchen, einen Hot dog etwa, außerdem einen Toast und ein Bier, wird’s teuer …

Mit etwas gefülltem Magen und etwas müden Beinen gehe ich über die Überführung der Küstendurchgangsstraße, und um 12 etwa lasse ich mich wieder in meinen Wagen plumpsen.

Meine in der Zürcher Gegend lebenden Verwandten und Bekannten waren alle anderweitig beschäftigt oder nicht erreichbar, und so fuhr ich wieder heimwärts, nordwärts.

Wenn man als Vignettenloser in Zürich nach der Landstraße nach Winterthur und Schaffhausen sucht (und Autobahnen meidet und kein Navi hat), dann fährt man ziemlich kreuz und quer … Deswegen dauerte es auf der Rückfahrt sogar 2 ¼ Stunden bis zur Grenze …

Nicht in den Graben zu fahren war mein Ziel, als ich endlich nördlich von Zürich auf der Landstraße unterwegs war, denn ich kämpfte mit dem Einschlafen, nahm mir vor, gleich nach der deutschen Grenze ein Nickerchen zu machen. Es gab auch kaum Parkplätze mit Schatten, überall diese Gluthitze.

Endlich habe ich Schaffhausen erreicht. Wegweiser zu allen möglichen Zielen, etwa „Bargen“ und „Thayngen“, aber weder Stuttgart noch Singen. (Vielleicht müßte ich da über die Autobahn kommen). Na gut, dann fahr ich halt gleich nach rechts, über Büsingen, diese deutsche Enklave in Schweizer Umgebung.

Am Rhein entlang; überall Badelustige bei herrlichstem Wetter auf blaustem Wasser, Boote, Schlauchboote …

»Bei sommerlichen Temperaturen am Zürichsee zieht es tagtäglich Menschenmassen ins kühle Nass. Für jene, denen der Schwumm in der Badi oder in Ufernähe nicht genug ist, gibt es jedes Jahr Seeüberquerungen«, schrieb die NZZ vor einigen Jahren, und ich danke ihr für Wortbildung »der Schwumm«.

Dann das Schild mit dem Bundesadler. Ich bin in Büsingen. In Wahrheit beginnt Deutschland schon ca. 50 m früher, weiter westlich, wie deutsche Briefkästen und ein „Goethestraße“-Schild mit „ß“ beweisen …

Oh Schreck! dachte ich am östlichen Ende Büsingens, als ich eine mit Pkw vollgestellte Wiese am Lokal Waldheim sah. Aber die wollten nur ins Rheinwasser, nicht in den kastanienbeschirmten Biergarten, in dem ich mit zwei „Radlern“ die gefährliche Dehydrierung niederkämpfte, mit Blick auf die gestrichelte Linie, die quer durch den Biergarten die schweizerische Staatsgrenze markiert. – Die Villa wurde vor über 100 Jahren von einem deutschen Pfarrer als Altersruhesitz erbaut. Hätte sie auf Schweizer Grund gestanden, hätte der Pfarrer seine Pension verloren; „Haus in Deutschland (Büsingen), Garten in der Schweiz“ – das ging aber.

Bezahlt wird in Franken – und schon ist der Fünfziger, den ich heute morgen am Automaten zog, aufgebraucht.

Zurück ins backofenheiße Auto und – ein paar Dörfer weiter – auf die Autobahn Richtung Stuttgart. Tanken und Sonnenbrille kaufen, die ich über meine normale Brille stülpe – den Sonnenbrillen-Vorhänger meiner anderen Brille hatte ich leider kurz zuvor irgendwo liegenlassen, und bei grellem Sonnenlicht ist es ohne schwer erträglich …

Mehrmals ertappe ich mich, wie ich dabei bin einzunicken. Mühsam schaff ich’s bis Tübingen, wo ich im – sonntags leeren – „Riverside Bowling“ zu einem Riesensteak und zwei weiteren Radlern einkehre.

Zu Hause angekommen, stelle ich fest, daß sich die Rückenträger meines Badeanzugs weiß von der Sonnenbräune rundherum abheben. Dazu haben die zwei Sonnenstunden im Wasser gereicht. Zum Beschlagenlassen meiner Billig-Armbanduhr auch …

Am nächsten Morgen, Montag, meldete unsere Lokalzeitung, das Tübinger „Schwäbische Tagblatt“, es habe sich in Tübingen eine Art Flashmob versammelt, zu einer sogenannten „Luma-Bier-Party“, auf Einladung von irgend jemandem auf Facebook – und ich hatte mich am Samstagvormittag schon gewundert, daß da so viele Leute mit Luftmatratzen und Schwimmreifen, manche Frauen auch in High Heels und eleganten Sommerkleidern, irgendwohin unterwegs waren, vermutlich ans Wasser. Es war aber keine offizielle Veranstaltung, sondern so eine Art Flashmob hunderter Menschen, die dann auf Gummibooten auf dem Neckar dahintrieben, so das TAGBLATT vom Montag:

http://www.tagblatt.de/Nachrichten/Bier-und-Luftmatratzentag-Hunderte-duempelten-den-Neckar-abwaerts-301024.html

Auch eine Art, den Samstag oder Sonntag zu verbringen.

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Solch einen letzten Badetag wünscht das Tübinger Freibad seinen letzten Besuchern ...