Endspurt auf der Frankfurter Buchmesse (Teil 3 und Schluß)
Donnerstag, 15.10., bis Montag, 19.10.2009
20 vor 7 klingelt der Wecker, Dusche, Frühstück, Outfit raussuchen (jeden Tag ein bißchen was anderes, ich hab endlich mal Gelegenheit, meine Krawattenkollektion zu zeigen), und schon ist es 8 Uhr, Zeit, in die Lobby der Juhe runterzugehen, in der die Rezeption meist schon von einer Menschentraube umlagert ist, von Leuten, die ein- oder auschecken oder sonst was wollen. Ganz Frankfurt ist voll, kein Gästebett mehr frei - als ich 2003 schon mal als Gast auf einer Buchmesse war, war es schon südlich von Darmstadt schwer, ein freies Zimmerchen zu bekommen.
Mein Messegirl erscheint oder wartet bereits, wir gehen raus, überqueren in der Morgenkälte den Main, spazieren durch eine öde Straße zur S-Bahn, die von Station zu Station immer voller wird, bis sich schließlich eine wahre Menschenmasse durch den Torhaus-Eingang zur Messe wälzt.
Sicherheitskontrollen am Eingang - aus Furcht vor denen hatte ich selbst zum Aufbau keine Schere mitgenommen, so daß mein Messegirl den Tesafilm mit den Zähnen abbeißen mußte. Eine unnötige Vorsicht, denn an den Aufbautagen wurde fast gar nicht kontrolliert; es wäre im Grunde ein Leichtes gewesen, eine Bombe mit Zeitzünder oder etwas ähnliches aufs Messegelände zu schmuggeln.
»Wo ist die Steckdose?« hatte mein Messegirl zu Anfang gefragt (sie wollte eine Kaffeemaschine für Besucher betreiben), und auch ich hatte sie nicht gefunden. Erfahrene Messebesucher und -veranstalter wie mein Besucher Didi wußten es: Die Steckdose ist über unseren Köpfen an einem der kreuzförmig angebrachten Deckenbalken - ich benutzte sie fortan als Hutständer für meinen Borsalino. Einen Strahler hatte ich auch noch beim Elektriker organisieren müssen - der war beim Standard-Ausstattungspaket nicht dabei.
Wie üblich aufs Klo gehen und vor dem Spiegel die Krawatte umbinden, zurück zum Stand, der Gong ertönt (»In wenigen Minuten öffnen die Türen für das Publikum«), es geht los.
Der Donnerstag verlief ruhig. Da vormittags keine Termine anstanden, konnten wir, Beate und ich, abwechselnd den Stand hüten und mal ein wenig spazierengehen. In Halle 3.1. gab's rechts oben die »Junge Freiheit« und links oben die »Junge Welt«. Beide eint eines: Sie schreiben in der alten Rechtschreibung. Die »Junge Welt« schimpfte in einem Extrablättchen »Sex und Politik«, wie unpolitisch die Christopher Street Days doch geworden seien, die reinste Trallala-Veranstaltung à la Love-Parade. Die »Junge Freiheit« brachte ein ganzseitiges Interview mit André Lichtschlag, dem Verleger von »eigentümlich frei«, des Blattes der Anarcho-Kapitalisten (Sozialstaat abschaffen, Eigentum heiligen), eines der Verleger Arne Hoffmanns. Gleich schräg gegenüber der eher linke »Talheimer Verlag« aus einem Dörfchen gerade mal zehn Kilometer von mir. (Kannte ich noch gar nicht. An unserem Stand gingen übrigens auch öfter Menschen vorbei mit dem erstaunten Ausruf »Nehren bei Mössingen? Daß es da so was gibt ...!«) Nicht weit entfernt als Erstaussteller die »Gesellschaft für bedrohte Völker« mit einer chinesischen Schriftstellerin in einem Käfig, ein häufig fotografiertes Motiv.
Ganz in der Nähe die Rechte-Agentur AVA, aber immer so umlagert, daß ich mir vornahm: Die kontaktiere ich erst, wenn ich wieder zu Hause bin. Die meisten kleineren Agenturen, so fand ich durch meine Kataloge heraus, waren gar nicht in Frankfurt vertreten, die größeren wiederum nur in Halle 6.2. In die wiederum kommt man nur mit vorheriger Terminvereinbarung rein. Da sitzen an lauter Schreibtischen Verlagsvertreter und literarische Agenten einander gegenüber, die Agenten tragen im Minutentakt die »Essentials« von neuen Büchern vor, und die Verlagsvertreter entscheiden ebenso schnell »Das nehm ich« oder »Das nehm ich nicht«. »Rechtehandel dominiert eine ansonsten ruhige Messe« hieß es in einem Mitteilungsblättchen in englischer Sprache.
Unser Stand in Halle 4.1. war, wie gesagt, nahe einem Ausgang - zugig, aber nicht so beengt wie in der Mitte der Halle. Manchmal fragte man sich schon, ob das wirklich alles Fachbesucher waren, was da so vorüberströmte. Gut, bei den Herren in Anzug und Krawatte und mit Rollköfferchen (die Hälfte davon Asiaten) konnte man sich da sicher sein, ebenso wie bei den etwas zerzausten, bärtigen und langhaarigen Künstlernaturen, aber sonst? Da gab es Buchhandelsschüler (wie ich 1988), da gab es alle möglichen Leute, die irgendwie an Fachbesucherkarten gekommen waren, z. B. Schüler eines Frankfurter Gymnasiums, die uns mit allen möglichen Fragen löcherten und lautstark rezitierten, was doch eigentlich nur für die stille häusliche Lektüre gedacht ist: »Onanieren für Profis«.
Die Halle 4.2., die über uns, enthielt Fachbücher: Jura, Steuern, Medizin. Hier war es auch an den Publikumstagen Samstag und Sonntag ziemlich ruhig. Logisch. Ebenso vergleichsweise ruhig war's zwei Stock tiefer, in 4.0. Dort gab's Stände, die für Verleger interessant waren: Billige Druckereien in Osteuropa, »Printing on Demand«, Software für Verlage (immer noch viel zu teuer für meinen Kleinverlag) und allerlei mehr. In unserer eigenen Halle sind wir neben allerlei Kunst- und Grafikverlagen, gleich neben uns ein Stand »Index books«, was manchen schmunzeln läßt. Um die Ecke und zehn Meter weiter die Zeitschrift »Lettre International«, wo ich eins der Hefte mit dem berühmt-berüchtigten Sarrazin-Interview kaufte. Das seien die letzten Hefte, raunte man mir über dem niedrigen Stapel zu - aber zwei Tage später wuchs der Stapel immer noch geheimnisvoll von unten nach ... (Auch diese Zeitschrift verwendet übrigens die alte Rechtschreibung). Wiederum ein paar Meter weiter Konkursbuch, unsere Tübinger Halb-Konkurrenz. Am Donnerstagabend richteten die einen Empfang im Offenbacher Grande Opéra aus, einer Fetisch- und SM-Location. Ich ging nicht hin ...
In der anderen Richtung zuerst ein Café (da hinein hätten wir Gäste einladen können, wenn wir schon unsere Kaffeemaschine nicht in Betrieb nehmen konnten) und dahinter der daab-Verlag: ein puristischer Stand mit ebenso modern-puristisch-kärglichen Büchern über Designerhäuser, Designerküchen, Designermöbel. Aber erfolgreich. Mit ihrem Konzept »Viel Bild, ganz wenig Text - und den dafür in mehreren Sprachen« nutzten sie die Tatsache, daß Bildbände mit wachsender Auflage stark stückkostendegressiv sind, und vertrieben einen Band gleich in mehreren großen Sprachräumen. Auf diese Weise hatten sie in zehn Jahren schon über eine Million Bände verkauft, hatte vor Monaten ein Artikel im Wirtschaftsteil der FAZ geschildert. Eine ähnliche Masche wie die des Taschen-Verlags in dessen Anfangsjahren, doch der hat sich mittlerweile aus der Billigbildband-Ecke herausgearbeitet: Ein Prospekt listet teure limitierte, numerierte, handsignierte Bände zu 500 bis 1000 Euro pro Stück auf ...
Um 16 Uhr hält die taiwanesische Professorin in Halle 6.1 einen Vortrag über ihr großes Buch, über ihr Thema. Ich gehe hin, zeige Präsenz, und tatsächlich bemerkt man meine Anwesenheit ... Die politischen Querelen zwischen Taiwan und der Volksrepublik China bestimmen so sehr den Markt, daß es sogar Gartenratgeber gibt mit Aufklebern wie »Alles, was gegen die Ein-China-Politik gerichtet ist, wird zurückgewiesen«.
Freitag morgen um 9.15 Uhr fange ich wieder mit meinem Touristenführer-Schild jemanden vor meinem ursprünglichen Standort ab, gehe mit ihm in die Lobby. Sehr interessante Vermarktungsmöglichkeiten für den englischsprachigen Markt tun sich auf, Einstellen meiner Bücher auf Amazon.com und mehr ... Druck an Ort und Stelle, »Printing on Demand«, kein Währungs- und Lagerrisiko, vernünftige Preise ... Auf diese Firma hatte mich schon einer meiner neuen Autoren aufmerksam gemacht, es wäre wohl also auch ohne Buchmesse gegangen, aber es ist doch schön, mal mit jemandem aus Fleisch und Blut darüber zu sprechen. Von nicht wenigen »Laufkunden« an meinem Stand werde ich auf englischsprachige Titel angesprochen und muß momentan noch passen. Das könnte sich in einigen Jahren ändern ... Nur den zweisprachigen Band »Fetish Art« kann ich in den neuen Vertrieb leider nicht mitübernehmen - nur von der Firma an Ort und Stelle Neugedrucktes ...
Zu den schönsten Augenblicken von Messen gehöre, wenn jemand sich schüchtern nach Übersetzungsrechten für Korea erkundige, schrieb ein Verleger in der FAZ, vielleicht Egon Ammann aus Zürich, der jetzt nach 29 Jahren das Handtuch wirft. Nun, bei mir war's einer aus Malaga, der sich nach Rechtevergabe für Spanien/Südamerika erkundigte und mich zu einem Gegenbesuch auf seinen Stand in Halle 8 einlud. Als ich dann dort war und das Ratgeberprogramm besichtigte (Kochbücher, Gesundheitsbücher, »Leben mit Krebs«, »Gesünder leben«, Fremdsprachenwörterbücher, Bildbände wie »Schönes Andalusien« für Touristen auch auf deutsch), sagten mir die Angestellten, sie hätten keine Ahnung, was ihr Chef für neue Serien plane ... Später, Samstag, kommt auch noch eine Leiterin eines Hörbuchverlags, will Kurzgeschichten aufnehmen.
In der entlegenen Halle 8 sind viele Auslandsverlage, vor allem solche aus Großbritannien und den USA, ferner Israel. Hier wird man am Eingang noch mal gefilzt. Das ist schon seit Jahren so.
Bei der Fahrt »nach Hause« experimentieren wir nun ein wenig, fahren eine Station weiter zur Ostendstraße, marschieren über stille Straßen und vorbei an einem rötlich beleuchteten Puff zurück zur Juhe, oder noch eine Station weiter zum »Lokalbahnhof«, und dort »von hinten«, von Süden, in die Sachsenhäuser Amüsiermeile. Besonders gut konnte man von hier aus das abgestellte Auto erreichen - wir mußten öfter aus der »Reserve« im Kofferraum Bücher nachholen. In der Anwohnerparkzone hatte ich mir ein Knöllchen eingefangen - nun parkte ich am Stadtrand, links Häuser, rechts Laubenkolonien, dennoch nicht weiter von der Juhe als zuvor.
Freitagnachmittag besuchte mich mein Autor Arne Hoffmann.
Freitagabend geht mein Messegirl auf einen Empfang bei der TITANIC, für den sie über ihren Freund eine Einladung bekommen hatte. Hatte sie zu Wochenbeginn noch tapfer gemeint: »Entweder kommen wir da beide rein oder keiner von uns!«, ging sie nach etlichen langen Handy-Telefonaten mit ihrem Liebsten (von dem ich den leisen Verdacht habe, daß er mich nicht sonderlich gut leiden kann) dann doch - bedauernd - allein hin, während ich wie üblich in Sachsenhausener Lokalen abhing. Vielleicht wär ich aber eh nicht reingekommen, denn die superstrenge Security bestand aus drei etwa
zehnjährigen Türstehern (Kinder von TITANIC-Machern), die nichts reinließen, was unbefugt war. (Messe-FAZ: »Die größten Fehlentscheidungen der Messe ... Kinder als Türsteher mit Generalvollmacht beim TITANIC-Empfang«)
Samstag: Der erste Tag mit normalem Publikumsverkehr, nicht mehr nur Fachbesucher. Die Straßen morgens sind leerer als am Freitag, die Stadt schläft noch. Dafür wird es auf der Messe nach verhaltenem Beginn immer voller, eine unglaubliche Menschenmenge schiebt sich träge durch die Gänge, mitunter steht man kurz davor, Beklemmungen zu kriegen inmitten der Menschenmenge. Wenn mein Messegirl schon keine Miniröcke mehr trägt, drehe wenigstens ich ein wenig auf: Grünes Jackett, goldfarbene PVC-Hose mit Jeansschnitt, knallrosa Krawatte, am Sonntag rote Lackhose zu grünen Glitzerschuhen ...
Nach 21 Uhr abends darf sich kein Verlagsmensch mehr in den Ausstellungshallen aufhalten, dann herrscht die Security. Manche Großverlage haben ihre eigenen Standwachen, andere räumen ihr Ausstellungsgut über Nacht in die Schränke, die abschließbar sind, wenn man ein Schloß für 49 Euro kauft (wir haben darauf verzichtet).
Der Bücherklau war für die Messe-FAZ ein Thema: »Besser ein geklautes Buch als gar keins«, oder auch: Ein geklautes Buch ist ein gelesenes Buch. Bei uns hielt sich's in Grenzen. Mehr als drei Bücher kamen uns nicht abhanden ...
»Safran« heißt das persische Restaurant, in dem wir nach Feierabend einkehren. Unseren hungrigen Augen erscheint die ganze Speisekarte begehrenswert, als wir uns sattgegessen hatten, sahen wir die Dinge wieder, wie sie waren: Es war gut, aber keineswegs berauschend.
H-Nu besuchte unseren Stand, der Titelbildzeichner von »Gynopolis«, diverse Autoren und Grafiker, die ihre Werke an den Mann bringen wollten, Freund Didi war am Nachmittag da, und ich machte mit ihm einen Spaziergang, während Beate den Stand bewachte, Frau Sandra Würdig vom »Marquis« war da, die Vertreterin von Rhenania, am Sonntag ging Beate auch selbst Bücher kaufen (und ich auch).
Schön ruhig war es selbst am Samstag in den Hallen 5.x - katalanische Lyrik, kroatische Kochbücher und kasachische Romane ziehen eben doch nicht so viele Leser an. Ich wollte dem Verlag, der »Sex für Fortgeschrittene« ins Kroatische übersetzen würde, einen Besuch abstatten, fand ihn aber nicht (stattdessen nur einen Sammelstand für kroatische Verlage), da ließ ich es bleiben.
Wie schon vor Monaten in Wien benutze ich eine alte Schmuckkassette meiner verstorbenen weiblichen Verwandten für das Wechselgeld. 470 Euro erlöse ich für Barverkäufe, ein paar weitere Dutzend Euro für Bestellungen. An sich ist Verkauf erst am Sonntag erlaubt, aber inoffiziell machen wir das schon ab Freitag - wie andere Verlage auch ...
»Das ganze Messegut [d. h. jeder Titel, nicht jedes Exemplar] muß bis Sonntag 17.30 Uhr gezeigt werden, vorzeitiges Einpacken ist verboten«, so wird es uns, den Ausstellern, eingeschärft. Tatsächlich aber gab es Stände wie der von Didi und mir besuchte spanische E-Publishing-Berater, der mit dem Abzug des Fachpublikums bereits am Samstagnachmittag die Koffer packte, und so ab 16 Uhr am Sonntag vernahmen wir immer wieder das Ratschen von Klebeband - hörbares Zeichen, daß es zu Ende ging. Auch Beate konnte sich nicht zurückhalten, unsere »Tapete« aus Buchcovern schon Minuten vor dem offiziellen Ende von der Wand zu klauben.
Endlich der erlösende Gong. Es ist Sonntag, 17.25 Uhr. Zum letzten Mal nehm ich mir meine Krawatte vom Hals. Was an Büchern noch übrig ist, verpacken wir in Plastiktüten und räumen es in die Schränke. Wir nehmen die Wandschienen ab und stapeln sie aufeinander. So viele Bücher wie möglich packen wir in unsere Akten- und Umhängetaschen, die Geldkassette nehmen wir natürlich auch mit, denn in der kommenden Nacht sind die Messeräume unbewacht.
Es ist kurz vor sechs. Langsam gehen wir zum Ausgang City, zum Hauptein- und -ausgang. Ein schöner, sonniger Tag geht zu Ende, noch scheint die Sonne. Buden von systemkritischen Chinesen: »60 Jahre Volksrepublik China - kein Grund zum Feiern!« befindet die in Rotchina verbotene »Epoch Times«, die ich mir mitgeben lasse.
Gegenüber vom Messe-Haupteingang das Hotel »Hessischer Hof«, in dem die Bestsellerrechte und Millionenvorschüsse gedealt werden. Die führenden Agenten haben da anscheinend ihre Zimmer beinahe in Erbpacht; ein Zimmerpreis von 400 Euro pro Nacht und Nase zu Messezeiten ist ein Klacks im Vergleich zu den Millionensummen, die hier hin- und hergeschoben werden, der SPIEGEL berichtete mal über dieses bizarre Pokerspiel mit hohen Einsätzen auf Schriftstellerleben, sozusagen.
Langsam spazieren wir mit unseren schweren Taschen durch die stillen Straßen des Westends mit ihren alten Villen, vorbei an der prächtigen Alten Oper, durch die üppig restaurantbestückte »Freßgaß«, durch die Zeil, über die Hauptwache hinweg, dann nach Süden zum Römer und zur Paulskirche, und bald schon waren wir wieder auf der Mainbrücke kurz vor unserer Juhe. Eigentlich recht überschaubar, der Stadtkern von Frankfurt.
Ein letztes Mal gehen wir ins »Ristorante Borsalino«. Meine Nase ist verstopft, eine Erkältung bahnt sich an. Später wechseln wir noch ins »Erdnüßchen«, das - für Beate passend - eine Raucherkneipe ist. Während Beate dann schon auf dem Heimweg zur Herberge ist, wanke ich noch in ein drittes Lokal und aus diesem gegen halb zwölf in Richtung Juhe, solange ich diese Richtung noch finden kann.
Nein, die Bierchen sind's nicht, es ist die aufblühende Erkältung, die mir am folgenden Morgen zusetzt. Ich zerkaue ein Aspirin unter der Dusche, gehe matt zum Frühstück, bin etwas zu spät in der Lobby, erst kurz nach 9. Noch einmal hoch und den Rest des Gepäcks geholt. Beate bewacht in der Lobby das Gepäck, ich checke aus und hole das Auto vom einen Kilometer entfernten Parkplatz, wir fahren wieder zu diesem Parkplatz nahe Halle 9, ich leere die Klamotten aus dem kleineren Rollkoffer in den Kofferraum, mit zwei leeren Rollkoffern kommen wir so über den Eingang Torhaus in die Messe, räumen alles, was noch uns gehört, in die Koffer, ziehen wieder zurück auf den Parkplatz. Noch einmal in den russischen Supermarkt - ich lege mir eine Kollektion russischer Biere zu, »Baltika« aus Petersburg (verschiedene »Nummern«, d. h. Sorten), »Schachterskoje« (mit einem Bergmann auf dem Etikett) und andere. In einem Karton trage ich sie in den Kofferraum.
Tanken kurz vorm Frankfurter Westkreuz. Es ist gegen Mittag. Riesenstau an einer Baustelle nördlich von Karlsruhe. Stimmt, den sahen wir schon auf der Hinfahrt - das hatten wir aber völlig vergessen. Und wir hatten noch Glück: Hinter uns gab's Unfälle, da wurde der Stau noch viel länger ...
Um 16 Uhr lade ich mein Messegirl bei Rottweil ab, um 17 Uhr bin ich wieder daheim. Die Balkonpflanzen haben die leichten Frostnächte alle überlebt. Glück gehabt, denke ich mir und öffne zischend die erste der russischen Bierflaschen.

