22.1.14

35 % Umsatzrendite! ...

... hat sich die Softwareschmiede SAP vorgenommen, meldet die FAZ heute, und die Anleger ziehen schon einen Flunsch und reagieren mit Gunstentzug am Aktienmarkt, weil SAP die Erreichung dieses Ziels von 2014 auf 2015 verschoben hat.

35 % Umsatzrendite? Da kommt man doch ins Grübeln ... Die Renditen der Unternehmen würden oft überschätzt, hieß es früher oft in marktwirtschaftsfreundlichen Publikationen. Da herrsche eine große Unbildung im breiten Publikum. Viele antworteten auf die Frage, wie hoch sie die durchschnittliche Umsatzrendite von Unternehmen einschätzten, mit »30 %« oder ähnlichen Werten; in Wahrheit seien es allenfalls drei bis fünf Prozent.

In welcher Wahrheit? müßte man dazu fragen. In der Wahrheit des Lebensmitteleinzelhandels vielleicht, da ist es oft noch weniger; ich als Kleinverleger hingegen könnte nicht von meinem Verlag leben, hätte ich nicht in den meisten Jahren eine deutlich zweistellige Rendite. Und Softwarehersteller seien, so lese ich jetzt etwas erstaunt, generell renditestark, da sei ein Drittel Umsatzrendite fast schon normal. Klar: Man braucht ja auch nur etwas Gehirnschmalz und ein paar Büros und nicht etwa - wie bei Autoherstellern - riesige millionenteure Maschinenparks.

So weit, so gut (für die Hersteller). So weit, so schlecht (für die Verbraucher - und für die ist die Marktwirtschaft ja eigentlich da, nicht dafür, daß die Hersteller leben wie die Made im Speck). Zum Glück habe ich als Kleinunternehmer keine Verwendung für so ein komplexes Software-Monster wie SAP. Aber vielleicht gilt ja für andere Software dasselbe? An sich war ich ja immer ein Verfechter der Kostenpflichtigkeit von Software, denn warum sollten die Entwickler und Programmierer umsonst für mich arbeiten, wo ich doch auch nicht umsonst arbeite? Doch wenn bei einem funktionierenden Wettbewerb jede Software 30 % billiger sein könnte (bei immer noch auskömmlicher Rendite), dann sehe ich auch nicht ein, warum ich einer Firma wie SAP (oder Microsoft, Apple etc.) einen Preis zahlen soll, der um rund ein Drittel überhöht ist, bei allem Respekt vor guter, schweißtreibender Arbeit ...

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