21.3.16

Amazon: Passionsgeschichte geht weiter - Leipzig: Eine compacte Messe - 80-Stunden-Woche für Erotikautoren

Die nicht enden wollende Willkür Amazons - 
Passionsgeschichte der Verleger und Autoren

6.3., ach was, 20.3., ach was: die unendliche Geschichte (fürchte ich). Den Anfang bekam ich nicht mal mit. Anfang März war noch alles eitel Sonnenschein, nicht draußen zwar, aber am Ebook-Markt wenigstens: In drei Monaten fast 800 Stück verkauft von »Sklavenjagd«, nicht viel weniger als von allen Titeln zusammen in ganz 2015. Na, das kann ja heiter werden! Ganz wörtlich! Aber zu früh gefreut: Am 6.3. nahm Amazon das Ebook »Sklavenjagd« aus dem Verkauf, wie üblich ohne mir, dem Verleger, oder dem Autor das mitzuteilen; wäre der Autor nicht so aufmerksam gewesen, hätt' ich's vielleicht erst nach Wochen gemerkt. Das (in der Tat offenherzige) Titelbild entspreche nicht den Richtlinien Amazons, hieß es. Also fix Möpse&Muschi überretuschiert und via meinen Ebook-Produzenten zu Amazon weitergeleitet. Das ist nun rund zehn Tage her. Geändert hat sich nichts. Das Ebook bleibt verschwunden. Warum? Wer weiß ... Erinnerungen kommen hoch an den Bestseller »Sex für Fortgeschrittene«, der 2007 auf der Amazon-Bestsellerliste bis auf Platz 5 hochgeklettert war und plötzlich von der Bestsellerliste verschwand. Nach ein, zwei Wochen konnte man z. B. über die Suchfunktion ermitteln, daß er einen Verkaufsrang von 62 hatte - aber sah man auf die Bestsellerliste, dann sah man auf Platz 62 einen anderen Titel. Nachfragen wimmelte Amazon ab mit dem Satz, das seien Betriebsinterna, darüber gebe man keine Auskunft. Zu der ganzen Problematik siehe unten das verlinkte Interview mit der (u. a.) Erotikautorin Monika Dennerlein.
Hier dazu der Autor.  
Das Sonderbare ist: Die papierene Version von »Sklavenjagd« ist weiterhin lieferbar - MIT dem »anstößigen« Titelbild.
Insgesamt sehe ich mit Trauer, daß die Zeit der schön sm-igen Titelbilder offenbar zu Ende geht. In Zukunft wird es offenbar mehr soft sm-ige, preiswerte Bilder von Shutterstock und Co. geben, langweiliger, »keuscher«, aber wenigstens geeignet, auf Amazon.de oder Apple oder vor dem bayrischen Jugendschutz zu bestehen.
Oh wenn doch Amazon eine niederländische oder dänische Verkaufsplattform wäre! Da sie aber den keuschen Amis gehört, werden wir uns wohl auf die traurige, keusche neue Realität einstellen müssen ...


Mit einem neuen Besucherrekord geht die Leipziger Buchmesse 2016 zu Ende ... 

... an diesem Sonntag, dem 20.3.2016. Als ich dort war, im Frühjahr 2012, hatte ich mich schon etwas seltsam gefühlt unter lauter Linksverlagen wie Unrast, Laika, Graswurzel, Kulturmaschinen und dergleichen, und ich fand auch nicht (wie mein Mitaussteller Grimme, der selbst von der Linken kommt), daß SM von seiner Wurzel her etwas Linkes sei. In den SCHLAGZEILEN äußerte der Österreicher Kolumnist Engelhart Teufel mal, er kenne eine Masochistin, die sage (sinngemäß): »Ich mag die SCHLAGZEILEN nicht - da gerät meine Sexualität in so einen Zusammenhang von alternativem Psycho-Selbsthilfegruppen-Dauergequatsche, da wird zerredet statt gelebt. Muß man denn links sein, um Masochistin zu sein?« Natürlich nicht. Sie suchte einen dominanten Ehemann, der sie mit dem Rohrstock zur braven Ehefrau erziehen würde - so wie im FREIEN FORUM FÜR ERZIEHUNGSFRAGEN, »in der bürgerlichen Sprache der Macht geschrieben, nicht ungeil und von außen analysierend und schon gar nicht um Zustimmung bettelnd«. Auch das linke Tübinger SCHWÄBISCHE TAGBLATT fragte mich als SM-Verleger mal: »Entschuldigen Sie, wir sind hier in Tübingen [einer grünlinken Hochburg], ich muß Sie das fragen: Ist SM frauenfeindlich?« - Auch die Hamburger SMer hatten schon damit zu tun (um 1990), daß Linke ihnen Gewaltverherrlichung vorwarfen und mit gewalttätigen Aktionen reagierten, so nach dem Motto: Wir sind gewaltfrei - wer's nicht glaubt, kriegt eins auf die Nase!
Aber so wie Grimme dachte auch die Buchmessenleitung: SMer? Abweichende Sexualität? Na, die stopfen wir mal zu den linken und schwulen Verlagen in Halle 4 ...
Auch den Glauben, daß von den nebenan stattfindenden Vorträgen über irgendwelche militanten, linken indischen Befreiungsbewegungen etc. jemand zu uns an den Stand käme wegen der SM-Bücher, teilte ich nicht.
Am Sonntagabend nahm ich nur mein Geld mit; als ich am Montagmorgen zurückkehrte, um den Stand abzubauen, fand ich alles verwüstet vor, teilweise geklaut. Normaler Vandalismus oder Werk der roten Socken?
Bei der diesjährigen Leipziger Buchmesse war nicht nur die JUNGE FREIHEIT zum ersten Mal seit Jahren wieder vertreten, es war auch der (erstmalige?) Stand des rechten Compact-Magazin in Halle 5 wie ein schwarzer Pfahl in das Gewusel der linken Kleinverlage gepflanzt worden, ein Stand mit eigener Security, die wohl auch nötig ist - siehe oben. Täglich habe es Protestaktionen der Linksverlage gegen COMPACT gegeben, wähend mir von rechten Protestaktionen gegen die kleinen Linksverlage damals nichts bekannt war und ist.



COMPACT - MAGAZIN FÜR SOUVERÄNITÄT - die besteht laut Leiter Jürgen Elsässer darin, den Amis adieu zu sagen und sich bei den Russen einzuschleimen. (Elsässer ist eine Pflaume; aber auch eine Pflaume hat ein Recht darauf, nicht pausenlos angepflaumt zu werden.)



Da ist selbst Supermann ratlos: Was tun mit dem ganzen Rechts-Links-Gezanke?
Von SPON sind die beiden Bilder - hier der ganze Bericht. - Heuer war eine meiner polnischen Druckereien auf der Messe und eine meiner Autorinnen - aber nicht aus ihrem Marterpfahl-Titel lesend, sondern aus einem anderen Werk, das in einem anderen Verlag erschienen ist. Da lohnt sich's für mich nicht, 1000 km zu reisen (hin und zurück) und im Hotel zu übernachten. - Mein Frankfurter Messeboy von 2010 war da, weil er Verwandte in der Nähe hat.


Rastlos rackern für die Reize der Erotikliteratur


Sie arbeitet 80 Stunden pro Woche - ein hoher Preis dafür, Bestsellerautorin zu sein. Sie findet, mit den antierotischen, antipornographischen Marotten von Amazon.de und Co. müsse man sich abfinden, das seien nun mal prüde Amis. Wohl dem, der Geschäftsschädigung so auf die leichte Schulter nehmen kann (geht auch wohl nur, wenn man außer Erotika noch anderes in petto hat). Und mit den massenhaften Raubkopien von Ebooks müsse man sich sowieso abfinden. Das ganze Interview mit der Erotikautorin Monika Dennerlein finden Sie hier


Schneeglöckchen 8 Wochen haltbar

Neulich am Kiebinger Osterlauf teilgenommen: Diesmal war das Wetter passabel - aber für Ostern sind schon wieder Schneeregenfälle vorhergesagt. Das scheint das neue Muster zu sein: Frühlingshaftes Wetter bis über Weihnachten hinaus, und das dicke Ende kommt dann später. Meine Schneeglöckchen blühten schon Ende Januar - und blühen jetzt immer noch, rund acht Wochen später. Der Klimawandel kommt mal wieder nicht in die Puschen - oder in die verkehrte Richtung.

Trotzdem frohe Ostern, liebe Leser!     

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