20.2.15

Jetzt geht der »Männerschwarm« auch ein ... und andere erschröckliche Neuigkeiten

In den 90er Jahren hatten sie noch eine in der SM-Szene vielbeachtete Broschüre verfaßt, eine Broschüre mit Buchtiteln zu SM, durchaus auch für Heteros, die Mannen vom Hamburger schwulen Buchladen Männerschwarm. Damals waren sie noch obenauf und ahnten ebenso wenig wie manch schwule »Location«, welche Gefahr sich in Gestalt des Internets zusammenbraute. In den letzten Jahren habe sich die schwule »Szene« ganz stark von den (dahinmickernden bis eingehenden) bisherigen Real-Life-Treffpunkten (Kneipen, Parties, Discos) weg ins Internet verlagert - sozusagen ein Kneipensterben der schwulen Kneipen, gar nicht viel anders als bei den Heteros. - Ebenso erwischte es nach und nach die schwulen Buchläden, was aus meiner Sicht schade ist, denn die waren so ungefähr die einzigen, die SM-Literatur (auch für Heteros) auslegten, ans Lager nahmen. Die vom »Männerschwarm« hatten um die Jahrtausendwende eine »standing order« meiner neuen Buchtitel (von jedem nahmen sie drei Stück), aber das bestellten sie bald wieder ab - »für Hetero-SM-Literatur bestehe kaum noch Nachfrage«. Auch die Bestellungen von anderen schwulen Buchläden aus Mannheim oder Stuttgart wurden allmählich weniger - und die Zahlungsmoral ließ sowieso nach ... Vor ein, zwei Jahren ging dann, wenn ich mich recht erinnere, »Max und Milian« aus München ein - und jetzt eben Männerschwarm. Die Vielfalt trocknet aus, die Spießer und der Riese Amazon saugen alles auf ... *seufz* - Hier äußert sich Männerschwarm selbst dazu.

Plötzlicher Ansturm

Normalerweise hat dieser Blog so etwa 30 bis 100 Besucher pro Tag, das kann man an einer Statistik ablesen, einer Statistik mit einem schönen, zackigen Schaubild. Links steht oben 100 und in der Mitte 50; werden die 100 Besucher pro Tag ausnahmsweise einmal überschritten, dann sieht alles gleich ganz anders aus, viel niedriger - denn dann steht links oben 200 und in der Mitte 100 ... Als ich jetzt auf die Statistik schaute, sah ich in der Mitte einen nadelscharfen Gipfel - huch!: Da waren es auf einmal rund 750 Besucher pro Tag. Was war geschehen? Ähnliches hatte ich nur vor Jahren erlebt (4000 Besucher pro Tag, 22.000 im Monat, nur weil ich mit einem geklauten Bildchen von Sarah Palins Möpsen berichtet hatte ;-). - Neben diesen 750 Besuchern, ein Himalaya-Gipfel, mutierten die restlichen »Zacken« zu Maulwurfshügeln in der Tiefebene ...

»Amazon liefert uns zwar nur falsche Zahlen, aber die leiten wir wenigstens weiter, damit Sie wenigstens irgendwas haben ...«

Kurz vor der Buchmesse in Frankfurt letzten Herbst brach plötzlich Hektik aus bei Readbox, dem Dienstleister, der für mich Ebooks produziert. Seine Majestät Amazon hatte beschlossen, eine Flatrate für Ebooks einzuführen, und nun sollte alles ganz schnell gehen, nämlich rechtzeitig bis zur Messe, und wir Verleger sollten jetzt hopplahopp angeben, welche Titel für diese Flatrate zur Verfügung stünden. Ich gab alle fünf Titel an, die ich bis dato auf dem Markt hatte, denn schlechter konnte es nicht mehr werden, die Verkaufszahlen waren mies. (Überhaupt sind Ebooks bisher für mich bestenfalls ein Nullsummenspiel - da werde ich nicht mehr viel investieren, denn da »kommt nicht viel bei rüber« außer Streß und Verdruß, um es mal so zu sagen.) Geänderte Verträge, um diese Flatrate gegenüber uns, den Verlegern, abzurechnen, würden folgen, hieß es. Jetzt ist fast ein halbes Jahr vergangen, aber Amazon ist so, wie sie immer sind: Freundlich und entgegenkommend zu den Kunden, garstig zu den Lieferanten. »Wir haben von Amazon.de leider immer noch keine korrekten Zahlen bekommen«, verkündete Readbox neulich, »also schicken wir Ihnen die Zahlen, die wir haben, auch wenn sie ersichtlich nicht korrekt sind - einfach nur, damit Sie irgendwelche Zahlen haben.«

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