8.12.14

Schmusekurs geht weiter - 2 x AKTUALISIERT

Jetzt haben sie's schon wieder getan, und vermutlich weil sie wußten, daß das nicht jedermann goutieren würde, haben sie's so heimlich getan, daß es erst jetzt, gut zehn Tage später, publik wurde: Am 26.11. trafen sich AfD-Leute in der russischen Botschaft mit russischen Diplomaten zwecks »Gedankenaustausch und strategischer Beratung«. Lucke sieht so was wie üblich skeptisch, aber kann er sich noch durchsetzen? Gauland findet es wie üblich prima. Der SPIEGEL berichtet. Offensichtlich versucht der Kreml westeuropäische Rechtsparteien als Hebel zu benutzen, um einen Keil zwischen die Europäer und die Amerikaner zu treiben ... (Der Front National nahm sogar einen Kredit einer kremlnahen Bank in Anspruch.)
AfD - bald vom Kreml ferngelenkt? Bild: SPIEGEL
Die Kommentare unter dem SPIEGEL-Bericht sprechen für sich; viele meinen: »Schade - die AfD war eine für mich wählbare Alternative zu den etablierten Parteien. Eine Kremlpartei aber ist für mich indiskutabel.« Für mich auch. Es ist ja diskutabel, die Sanktionen aus real- und wirtschaftspolitischen Gründen abzulehnen, weil sie Deutschland und Westeuropa schaden und die Krim trotzdem nicht wieder zur Ukraine zurückbringen - aber diese grundsätzliche Sympathie für ein repressives, rückwärtsgewandtes, autoritär-imperiales System, das bei vielen Putinverstehern spürbar durchschimmert, irritiert und befremdet mich sehr. Da ist es wohl *mildeseufz* wieder mal Zeit, den Hut zu nehmen, bevor ich mich in einer deutschen Kreml-Partei wiederfinde, obwohl ich doch eigentlich in eine liberale, für die Befreiung von erdrückenden EU-Normen eintretende Partei eingetreten bin. Aber die Euro- und EU-Kritik ist leider zugunsten von allerlei oft ultrakonservativem Gedöns immer mehr in den Hintergrund getreten. - Na ja, ein Jahr kann man vielleicht noch auf Besserung warten und sich selbst dafür einsetzen ... Weiß noch nicht genau ... ;-)

NACHTRAG:

Die aktuelle JUNGE FREIHEIT berichtet:

Ausgerechnet Bottrop
Junge Alternative: Vor dem Bundeskongreß Anfang des Jahres hadert der AfD-Nachwuchs mit dem Tagungsort und streitet über die Richtung
Marcus Schmidt
Bottrop. Ausgerechnet Bottrop. Die Entscheidung des Bundesvorstandes der Jungen Alternative (JA), Anfang Januar den Bundeskongreß in der Ruhrgebietsstadt abzuhalten, hat den Parteinachwuchs der AfD in Aufregung versetzt. »Die Wahl Bottrops als Veranstaltungsort ist unglücklich und wird von Teilen der JA als gezielte Provokation empfunden«, sagte der Landeschef von Baden-Württemberg, Markus Frohnmaier, der JUNGEN FREIHEIT. Der eher liberal geprägte nordrhein-westfälische Landesverband habe absichtlich einen »abgelegenen« Tagungsort gewählt, der den konservativen östlichen Verbänden die Anreise erschwere. [...] 
Was auf den ersten Blick wie die typischen Machtspielchen eines politischen Jugendverbandes wirkt, erweist sich bei genauerer Betrachtung als handfester Richtungsstreit des Parteinachwuchses. Ganz nach dem Motto: Was die AfD kann, können wir schon lange. »Es gibt in der JA bei allen Gemeinsamkeiten auch gewaltige politische Unterschiede«, berichtet Ritz, der dem liberal-konservativen Lager zugerechnet wird. »In Bottrop wird über die Ausrichtung der Jungen Alternative entschieden«, gibt Frohnmaier die Richtung vor. Gemeinsam mit dem rheinland-pfälzischen Landesvorsitzenden Damian Lohr will er für den JA-Vorsitz kandidieren und das Profil des Verbandes schärfen. Beide gelten als Vertreter des nationalkonservativen Flügels und unterstützen die Rußland-Politik von AfD-Vize Alexander Gauland.
[...]
»Man muß bei jedem Verbot überlegen, ob es auch umgesetzt werden kann«, gibt Ritz zu bedenken, der für eine Freigabe [von Cannabis] plädiert. Er wolle das Thema aber nicht überbewerten. Für seine Herausforderer ist die Cannabis-Diskussion dennoch ein rotes Tuch. »Das muß aufhören, darauf habe ich keine Lust mehr«, ärgert sich Frohnmaier und greift den JA-Chef frontal an. »Wenn Philipp Ritz das Thema so wichtig ist, soll er zur Grünen Jugend gehen.« Ritz plädierte hingegen dafür, die Frage mit »Verstand statt mit Ideologie zu lösen« und nicht in Schubladendenken zu verfallen. Die Stimmung ist jedenfalls gereizt. »Die politischen Auseinandersetzungen sind bei uns fast noch intensiver als in der AfD«, sagt Ritz. Eine Einschätzung, die Frohnmaier teilt, der von einer aggressiven Stimmung in den internen Internetforen berichtet. »Ich hoffe, daß sich in Bottrop alle zusammenreißen, sonst könnte es auch knallen«, warnt Ritz.

Nachbemerkung dazu: Im Frühjahr 2013 beschloß ein AfD-Mitgliederparteitag in Erfurt eine sehr rußlandfreundliche Einstellung; hätte er in Aachen stattgefunden, mit weniger Ostmitgliedern, wäre die Beschlußlage vielleicht anders ausgefallen ... 

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Aus derselben Ausgabe der JF:

»Im Moment stellt sich die Frage nicht«
CDU: Auf dem Kölner Parteitag der Union rücken angesichts der AfD-Haltung zu Rußland selbst Konservative von einer möglichen Zusammenarbeit ab
Hinrich Rohbohm
[...]
Ostverbände liebäugeln mit einer Zusammenarbeit
Die AfD hingegen wird von ihr [Merkel] nicht erwähnt. Sympathisanten einer langfristig möglichen schwarz-blauen Zusammenarbeit oder einer Bahamas-Koalition mit der FDP sind angesichts der Annäherungen von AfD-Funktionären an Rußland spürbar auf Distanz gegangen. »In unseren Ortsverbänden gibt es nicht wenige, die durchaus Schnittmengen mit der AfD sehen«, meint ein hessischer Delegierter. Aber: »Die Kreml-Propaganda von Alexander Gauland geht überhaupt nicht.« Auch unter Konservativen CDUlern habe dessen »Hofieren von Putin« für Kopfschütteln gesorgt.
Das sehen inzwischen auch jene Unionisten so, die sich bisher nicht daran beteiligt haben, die neue Partei in die rechtsradikale Ecke zu schieben. »Wenn es stimmt, daß sich der Bundesgeschäftsführer und der Pressesprecher der AfD von der russischen Botschaft haben einladen oder gar beraten lassen, dann ist diese Partei kein vertrauensvoller Gesprächspartner«, sagte ein Delegierter aus Nordrhein-Westfalen der JUNGEN FREIHEIT, den zudem ein »respektloser Umgang zwischen den Funktionären« der Alternative für Deutschland stört. »Wie soll man denn mit solchen Amokläufern gemeinsam regieren, die dazu noch unser westliches Bündnis in Frage stellen?«
In den CDU-Landesverbänden der östlichen Bundesländer liebäugeln zwar durchaus Christdemokraten mit einer Zusammenarbeit mit der AfD. Die gehen inzwischen jedoch auf Tauchstation. »Im Moment stellt sich diese Frage ja nicht«, heißt es ausweichend. Und: »Erst mal müssen wir doch sehen, wie sich die AfD weiterentwickelt.«
Wie stark die Unionsbasis eine Verurteilung der russischen Annexion der Krim befürwortet, zeigt Merkels Rede auf. Als die 60jährige davon spricht, daß die Verletzung der territorialen Integrität der Ukraine nicht folgenlos bleiben dürfe, brandet ebenso starker Beifall auf wie bei ihrer Kritik an der Hogesa-Demonstration in Köln Ende Oktober.

Tja, so ist das ;-)  

 Warum befassen sich die nicht mehr - so wie früher - mit sinnvollen Themen, z. B. diesen?: 

In einem liberalen Staat muß es erlaubt sein, solche Dienstleistungen anzubieten und nachzufragen. Bild: Junge Alternative
Eine bessere Kritik der Energiewende gibt's nicht :-) Bild: Junge Alternative

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