12.11.14

Interessenverbände und ihre Bequemlichkeit und Konfliktscheu

Als er gegründet wurde, vielleicht 2002, war gerade mal wieder eine Verschärfung der Pornogesetze geplant, eine Verschärfung, die für die deutschen SMer meiner Erinnerung nach recht unangenehm hätte werden können - und für mich als SM-Verleger noch mehr ... Doch anstatt alle Kraft in die politische Arbeit zu stecken, anstatt Politiker zu kontaktieren und für seine Sache zu werben, verzettelte sich der frischgegründete BVSM (»Bundesverband Sadomasochismus«) in organisatorischem Kleinkram und kam nicht voran.
In den neuesten SCHLAGZEILEN war ein Interview mit »Cuthul«, der erstmals seit drei Jahren in dem Blatt die Positionen der 2011 von deutschen Jugendschützern indizierten SKLAVENZENTRALE zu Gehör brachte. Auszüge daraus:

»Nach der Indizierung hat Google.de ca. 40.000 Links, die auf uns verwiesen, gelöscht. Wer heute in Deutschland nach BDSM oder SM sucht, der findet eher eine indische SM-Community oder die SM-Pornoseiten von Kink.com als uns. Das ist schade, denn natürlich wirkt es sich aus, wenn man so ausgeblendet wird. [Ich empfehle google.at, da hat man diesen Ärger nicht. R. H.] Was Google nicht kennt, das gibt es nicht. [...]
Allerdings haben wir massiv die Macht der Kreditkartenabrechner zu spüren bekommen. [...] Dort sind "problematische" Produkte definiert, von welchen sich die Anbieter distanzieren wollen. Es handelt sich dabei um illegale Waren, aber auch um extreme sexuelle Gewalt. Bevor eine Seite mit potentiell kritischen Inhalten heute eine Kreditkartenakzeptanz erhält, wird die Seite einem Monitoring unterzogen. [...] Daher können wir Kreditkarten als Zahlungsmittel nicht verwenden. Das ist in der heutigen Zeit ein großer Nachteil.
SCHLAGZEILEN: Kann man sich in solchen Fällen nicht an [...] den BVSM wenden, der hat sich doch zum Ziel gesetzt, die Interessen der SMer zu vertreten?
Cuthul:  Das war auch unser erster Gedanke. Leider war der Kontakt mit dem BVSM ernüchternd. Ich habe den Eindruck, der BVSM hat genug mit sich selbst zu tun. Zudem steht dort seit Jahren der IDC [= Diagnoseschlüssel, der SM und Fetischismus als Krankheiten auffaßt und numeriert wie andere Krankheiten] und die Definition von SM bei der AOK auf der Agenda. Das ist ein harmloser Gegner, mit dem man sich vortrefflich und gefahrlos über Jahre auseinandersetzen kann. Heiße Eisen wie die deutschen Jugendschützer oder die Tatsache, daß Kreditkartenabrechner SMer völlig vom Kreditkartenmarkt abschneiden können [...], das traut sich der BVSM nicht zu. Die verteilen lieber hölzerne Wäscheklammern auf Messen.«

Tja, so ist das mit den »Interessenvertretern« ... ;-)

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