5.12.09

»Jammern auf hohem Niveau ...«

sei es, wenn sich Muslime über den Schweizer Volksentscheid contra Minarette erregten, schrieb unlängst ein selbstkritischer türkischer Journalist* in seinem Blatt. Zwar mißbilligte er auch er den Ausgang des Schweizer Referendums, aber kritisch trug der die Fakten zur Lage in der Türkei zusammen: Bis 2003 hatten Nichtmuslime in der Türkei überhaupt keine Möglichkeit, neue Kirchen zu errichten, denn die Bauordnungen sahen nur neue Moscheen vor. Endlich wurde das Wort »Moschee« durch »Gebetsstätte« ersetzt, de facto aber änderte sich wenig. Die Behörden verweigerten ganz einfach die Genehmigungen für Kirchen. Und das in einem relativ »liberalen« Land des muslimischen Teils der Welt. Bevor man hier dazu vordringt, das Recht auf Glockentürme zu debattieren, müßte man erst mal die dazugehörige Kirche selbst genehmigen ... Aber Pustekuchen. Das 1971 geschlossene Priesterseminar auf der türkischen Insel Chalki bleibt geschlossen, die enteigneten Gebäude bleiben enteignet. Und das bei einem Beitrittsanwärter zur Europäischen Union. Pfui.

Derweil geht der zu erwartende Theaterdonner über den Schweizer Entscheid weiter, »dem Publikum soll schließlich was geboten werden. So grollten und grummelten türkische Politiker nach dem Minarett-Referendum in der Schweiz routiniert vor sich hin. Eine ›Schande‹ sei das (Staatspräsident Gül), ein Ausweis der ›Islamphobie‹(Ministerpräsident Erdogan) ... ein gemischt publizistisch-politischer Chor, der wieder einmal die Evergreens muslimischer Empörung vom Blatt sang.«

*laut FAZ vom 3. und 5. Dezember 2009

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